Angola: Normalität noch immer „viele Regenwolken entfernt“

Nachricht 11. Februar 2014

LWB versorgt Dürregebiete weiter mit Lebensmitteln

Luanda (Angola)/Genf, 11. Februar 2014 (LWI) – Eigentlich sollte hier ein Fluss sein, doch die Frau, die mit ihren Kindern ein Loch in die staubige Erde gräbt, hat wenig Hoffnung, auch nur ein paar Tropfen Wasser zu finden. Erbarmungslose Sonne statt der ersehnten Regenwolken: Nach Aussage der Bevölkerung ist dies die schlimmste Dürre in Angola seit mehr als 30 Jahren.

In Oxavikwa stehen die DorfbewohnerInnen an einem heissen Sonntagmorgen an, um ihre Ration Maismehl, Bohnen und Speiseöl abzuholen. „Wir sind so dankbar für diese Hilfe. Ich bin schwanger und es ist nicht gut für mein Baby, wenn ich hungere“, so Kaveliunwa Katjipaleke, die mit ihrer Mutter Emilia Katiti gekommen ist.

„Manchmal ertrage ich den Hunger einfach nicht mehr. Dann gehe ich zu meinen Nachbarn und bitte sie um Essen, obwohl sie selbst nichts haben“, ergänzt Katiti. Viele viele Familien müssten mit nur einer Mahlzeit am Tag auskommen oder hätten überhaupt nichts zu essen.

Obwohl in einigen Regionen Angolas der Regen bereits eingesetzt hat, ist die Lage nach fast drei Jahren Dürre in manchen Regionen noch immer kritisch. In den südlichen Provinzen Cunene und Huila sind mit 629.000 Menschen noch immer mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf Notfallhilfe angewiesen.

Im Rahmen der Dürrehilfe, die im August 2013 begann, verteilen der Lutherische Weltbund (LWB) und seine Partner im ACT-Bündnis vor Ort, darunter das Länderprogramm der LWB-Abteilung für Weltdienst (AWD) und die Evangelisch-Lutherische Kirche Angolas (IELA), weiterhin Nahrungsmittel an die am stärksten betroffene Bevölkerung in den kritischen Gebieten. Noch bis April 2014 sollen weiter Nahrungsmittel verteilt werden, dann wird die erste Ernte erwartet.

Die Flucht vor dem Hunger

In Oxavikwa, einem abgelegenen Dorf in der Provinz Cunene, hat der lange ausbleibende Regen zu Unterernährung und dem Ausbruch von Krankheiten geführt. Das Vieh verendet, die wenigen Tiere, die überlebt haben, bestehen nur noch aus Haut und Knochen.

In dieser ausweglosen Lage haben viele Menschen beschlossen, ihre Häuser zu verlassen und an Orte zu ziehen wo sie Weiden für Ihr Vieh finden. Manche ziehen auch in die Städte um ihr Überleben zu sichern.

„Sobald wir alle Ziegen verkauft haben, werden wir weggehen. Dann werden wir nichts mehr haben. Aber ich hoffe sehr, dass es wieder regnen wird und wir doch hier bleiben können“, sagt Jeremias Munekamba, Vater von sieben Kindern.

Laut Pfr. Salomão Tchoya, Pfarrer der örtlichen IELA-Gemeinde, ist es nicht einfach die Menschen zum Bleiben zu ermutigen. Ohne den Regen, so Tchoya, können die Menschen ihr Grundnahrungsmittel mahangu (Hirse) nicht anbauen oder ihre Tiere versorgen. „Sie fliehen vor dem Hunger. Ihnen bleibt gar nichts mehr“, seufzt er.

Choleraerkrankungen nehmen zu

Dürre und Hungersnot haben zu einem Ausbruch von Cholera geführt. Dem Januarbericht des ACT-Forums zufolge ist die Zahl der gemeldeten Fälle ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: 2013 wurden in der Provinz Cunene über 3.840 Erkrankte und 133 Todesfälle gemeldet, in Huila mehr als 1.440 Erkrankungen und 46 Todesfälle. Obwohl durch das schnelle Eingreifen der Regierung die Zahl der Todesfälle in Cunene gesenkt werden konnte, besteht immer noch die Notwendigkeit das Bewusstsein für Hygiene und Nutzung sanitärer Anlagen zu stärken, um weitere Ausbrüche zu verhindern.

Die Hilfskräfte befürchten nun, dass sich die Cholera weiter verbreiten könnte, wenn der Regen zunimmt. Die abgelegenen Ortschaften haben keine Abwassersysteme, die Bewohner erleichtern sich in Löchern, die sie im Busch graben. Durch die heftigen Regenfälle besteht die Gefahr, dass sich Krankheiten durch die herumliegenden Exkremente schneller verbreiten.

„Der Ausbruch der Cholera ist auf schlechte hygienische Verhältnisse und fehlende Toiletten zurückzuführen. Ein weiteres Problem ist, dass die Menschen ihr Trinkwasser aus [künstlich angelegten] Dämmen holen“, erklärt Abrao Mushivi, Koordinator des Nothilfeprogramms der LWB/AWD in Angola.

„Das Wasser wird für alles gleichermassen benutzt, zum Kochen, zum Wäschewaschen, zum Baden und zum Tränken des Viehs. Wir werden nun, in der zweiten Phase des Notfallhilfeprogramms, das Gesundheitsbewusstsein der Menschen durch Aufklärung schärfen“, so Mushivi weiter.

Einige hundert Meter von der Nahrungsmittelausgabe entfernt liegt eine Frau mit ihrem Baby unter einem Baum. Sie ist an Cholera erkrankt und hat kaum noch genug Kraft, ihren Kopf zu heben.

„Normalerweise dauert es 24 Stunden bis der Körper durch die Cholera geschwächt ist“, erklärt der Pflegeassistent Cipriano Kaluhongue. „Da die Frau schon durch den Hunger entkräftet war, hat sich ihr Zustand innerhalb weniger Stunden verschlechtert. Aber glücklicherweise ist sie inzwischen auf dem Weg der Besserung.“

Zu schwach um die Schule zu besuchen

Als die Sonne langsam untergeht, stehen immer noch Menschen für Maismehl und Bohnen an. Manche befürchten, dass die Nahrungsmittel ausgegangen sein werden, bis sie an der Reihe sind. Aber Tchoya versichert ihnen, dass sie alle etwas zu essen bekommen werden. Er weiss genau, dass sie auf das Maismehl angewiesen sind, damit sie nach Hause gehen und etwas zu essen kochen können.

„So etwas haben wir noch nie erlebt. 1981 haben wir zwar auch eine große Dürre erlebt, aber es war nicht so schlimm wie jetzt“, stellt er fest.

Die Hungersnot hat auch zu sozialen Problemen geführt, was IELA-Bischof Tomás Ndawanapo Anlass zur Sorge gibt. Nach Aussage vieler Eltern haben die Kinder nicht genug zu essen und können deshalb nicht zur Schule gehen. Sie sind zu schwach, den langen Weg zu gehen und aufmerksam am Unterricht teilzunehmen.

„Das Land kann nicht wachsen, wenn die Kinder nicht zur Schule gehen. Wir brauchen eine gut ausgebildete Jugend. Es ist ausserordentlich wichtig, dass wir als Gemeinschaft und als Kirche in dieser Situation zusammenarbeiten“, sagt Bischof Ndawanapo.

Obwohl in manchen Regionen Angolas derzeit mehr Regen fällt als in den vergangenen Jahren, ist dies noch immer nicht genug. In der Ortschaft Oxavikwa sind alle davon überzeugt, dass die Rückkehr zur Normalität noch immer „viele Regenwolken entfernt“ ist.

(Ein Betrag von Laura Meriläinen-Amaumo, Kommunikationsreferentin der Finnischen Evangelisch-Lutherischen Mission (FELM), während eines Besuchs in Angola.)