Wenzel: Endlagerfrage mit knappen Mehrheiten nicht lösbar

Nachricht 08. Februar 2014

 Hannover (epd). Bei der Suche nach einem atomaren Endlager in Deutschland ist nach Ansicht des niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel (Grüne) noch viel Vertrauensbildung nötig. "In der Endlagerfrage geht es mit Einstimmenmehrheiten und knappen Entscheidungen nicht weiter voran", sagte Wenzel in einem Interview des Magazins "Reformation und Politik" der hannoverschen Landeskirche. Es sei wichtig, dass für die Expertenkommission, die die Suche vorbereiten soll, ein glaubwürdiger Vorsitzender gefunden werde.

Wenn die Kirche einen Beitrag zur Vertrauensbildung leisten könne, wäre das sehr hilfreich, sagte Wenzel. In dem Jahrzehnte währenden Konflikt um den "willkürlich ausgewählten Standort Gorleben" habe die Kirche als Vermittlerin eine wichtige Rolle gespielt. So hätten sich Seelsorger bei hochemotionalen Demonstrationen gegen die Castortransporte um friedliche Konfliktlösungen bemüht. Wenzel begrüßte es, dass der hannoversche Landesbischof Ralf Meister die evangelische Kirche in der Expertenkommission zur Endlagersuche vertritt.

Auch der Atomkraftgegner Wolfgang Ehmke sieht die Aufgabe der Kirche im Atomkonflikt vor allem darin, zu vermitteln. Ihr Ziel müsse sein, aus Sackgassen herauszuführen und politische Lösungen anzustreben, sagte der Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg dem Magazin. Die Kirche wäre gut beraten, dabei auch die "Weisheit und Klugheit" der Umweltinitiativen einzubeziehen, statt "einem reinen, oft interessengeleiteten Expertenwissen oder gar parteipolitischem Opportunismus zu folgen".

Der Lüchower evangelische Propst Stephan Wichert-von Holten sagte, in der Endlagerfrage sei das Vertrauen in politische Entscheidungsträger nachhaltig zerstört. In den letzten 30 Jahren sei deutlich geworden, dass es zu einer gesellschaftliche Zustimmung zu der am besten geeigneten und sichersten Form der Endlagerung von hochradioaktiven Stoffen kommen müsse. Sollte es tatsächlich einmal einen anderen Standort als Gorleben geben, sei die Kirche im Wendland dennoch weiter gefragt, sagte der leitende Theologe. Nach durch den Konflikt um den Salzstock Gorleben verlorenen Jahrzehnten für eine ganze Region müsse sie zu Trost und Versöhnung beitragen.

Das Magazin "Reformation und Politik" ist im Februar in einer Auflage von 10.000 Exemplaren im Lutherischen Verlagshaus in Hannover erschienen. Anlässlich des Themenjahres "Reformation und Politik" äußern sich in der 92-seitigen Publikation unter anderem Vertreter von Kirche und Politik zur Rolle der Kirche in der Gesellschaft, unter ihnen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (beide SPD). Das bundesweit von der evangelischen Kirche begangenen Themenjahr soll auf das 500. Jubiläum der Reformation durch Martin Luther im Jahr 2017 aufmerksam machen.

Das Magazin "Kirche und Politik" kann im Lutherischen Verlagshaus bestellt werden: Telefon 0511/1241-736, Fax: 0511/1241-705, Mail:
aboservice@evangelische-zeitung.de. Ein Exemplar kostet 8,90 Euro, ab 20 Exemplare 6,40 Euro, ab 50 Exemplare 5,90 Euro. Für die Bildungsarbeit werden Sonderkonditionen angeboten.

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