Deutsche Theologen in der Ukraine: "Es geht um Menschenrechte"

Nachricht 03. Februar 2014

Kiew/Hannover/München (epd). Bei den Protesten in der Ukraine steht nach Auffassung deutscher Theologen inzwischen der Kampf um Grundrechte im Vordergrund. "Hier geht es nicht mehr um ein Pro oder Kontra zur EU, sondern um Menschenrechte", sagte Bischof Uland Spahlinger am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Münchner ist geistliches Oberhaupt der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) mit Sitz in Odessa am Schwarzen Meer.

Die Protestwellen haben Spahlinger zufolge immer dann Zulauf, wenn die Polizei gewaltsam vorgeht. So seien die meisten Menschen erst auf die Straße gegangen, als die Polizei den Kiewer "Maidan" Ende November gewaltsam geräumt hatte. "Damals wurden viele Jugendliche und Studenten verletzt - das hat die Menschen empört." Die Regierung verweigere jedoch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Forderungen der Demonstranten, kritisierte er. "Sie betreibt nur Schadensbegrenzung."

In Odessa selbst gebe es nur kleine Demonstrationen, berichtete der Bischof. Es herrsche eher eine "ironische Distanziertheit" zu den Ereignissen in Kiew. "Odessa ist nicht pro-westlich oder pro-russisch, sondern multikulturell", erläuterte der 56-Jährige. Die örtliche Gebietsverwaltung sei anders als in den meisten westukrainischen Regionen nicht von Demonstranten besetzt.

Die deutsche Gemeinde St. Katharina in Kiew unterstütze die Menschen in der Innenstadt seit Anfang Dezember, sagte ihr Pfarrer Ralf Haska. Erst erhielten Regierungsgegner und Polizisten noch in der zentral gelegenen Kirche Suppe, warme Getränke und medizinische Hilfe. "Seitdem das Protestlager vor der Kirche geräumt wurde, bringen wir Essen zum Maidan", erläutert Haska. Trotz Sympathie für die Menschen, die in der Kälte für den Rechtsstaat demonstrierten, sei er unparteiisch. "Ich helfe allen Seiten", unterstrich der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gesandte Auslandspfarrer.

Der Osteuropa-Referent der EKD, Michael Hübner (Hannover), sagte, die Theologen der deutschen Kirche engagierten sich bei den Demonstrationen mit Gebeten und humanitärer Hilfe für eine gewaltfreie Lösung. Die EKD begrüße dies.

Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine wurde 1992 von deutschstämmigen Ukrainern neu gegründet. Nach Angaben der EKD zählt die Kirche heute rund 1.000 Mitglieder in 30 Gemeinden mit 15 Pastoren und 23 Predigern.

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