Mediziner: Zu wenige Deutsche spenden Organe

Nachricht 09. Januar 2014

Hannover (epd). Fachleute und Betroffene haben die geringe Bereitschaft zur Organspende in Deutschland kritisiert. "In Spanien oder Österreich spenden deutlich mehr Menschen", sagte der Transplantationsmediziner Axel Haverich am Donnerstagabend in Hannover. Die Spendenbereitschaft sei deutschlandweit infolge des Skandals in mehreren Transplantationskliniken im Jahr 2012 stark gesunken.

Ängste wegen des Skandals seien jedoch unberechtigt, sagte Haverich bei einer Debatte des niedersächsischen Sozialministeriums. Der Missbrauch habe sich nur auf eine kleine Zahl von Zentren für Lebertransplantationen beschränkt. Die Kontrollen seien ausgeweitet worden und bei Herz- und Lungentransplantationen habe es keinen Missbrauch gegeben.

Nach Angaben des Sozialministeriums sei die Zahl der gespendeten Organe in Niedersachsen von 310 im Jahr 2011 auf 222 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Nur 22 Prozent der Bundesbürger hätten einen Organspendeausweis. In Spanien sei die Zahl der Spender hingegen dreimal so hoch, erläuterte Haverich, der Klinikdirektor an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist.

Die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) forderte die Bürger auf, sich mit der Frage der Organspende gründlich auseinanderzusetzen. "Jeder sollte zumindest einmal darüber nachdenken, was dafür oder dagegen spricht." Besonders Männer hätten hier eine Verantwortung. "Sie spenden seltener, erhalten aber öfter Organe als Frauen."

"Je mehr Spender, desto weniger Skandale", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer. Die deutsche Ärzteschaft müsse verstärkt um das verloren gegangene Vertrauen werben. Der DGB-Chef hatte im September seiner kranken Ehefrau eine Niere gespendet. "Alle Beteiligten, die ich dabei kennenlernte, waren sich ihrer Verantwortung bewusst."

Der Loccumer Pastor Michael Coors wies darauf hin, dass in Österreich und Spanien die Spendenbereitschaft rechtlich vorausgesetzt wird. Dort müssten die Menschen einer Organspende ausdrücklich widersprechen, damit Leber, Herz oder Lunge bei einem eventuellen Hirntod nicht verwendet werden. "Das ist hochproblematisch", kritisierte der theologische Referent am evangelischen Zentrum für Gesundheitsethik. Dass in Deutschland mögliche Spender aktiv zustimmen müssten, sei der bessere Weg. Wenn sich Menschen gegen Organspenden entschieden, hänge das oft auch mit religiösen Wertvorstellungen zusammen.

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