Ökumene-Bischof Weber hofft auf "Reform von oben" im Vatikan

Nachricht 26. Dezember 2013

epd-Gespräch: Michael Grau

Wolfenbüttel (epd). Der evangelische Ökumene-Bischof Friedrich Weber sieht in der katholischen Kirche Anzeichen für eine "Reform von oben" durch Papst Franziskus. "In der katholischen Kirche bewegt sich vor allem etwas, wenn die Linie von oben nach unten funktioniert", sagte der braunschweigische Landesbischof in Wolfenbüttel im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenn dann aber Reformen eingeleitet würden, könne es sehr schnell gehen. Weber ist Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Bisher zeige sich der neue Kurs im Vatikan nur in Stilfragen, sagte Weber, der im April seinen Auftrag an einen Nachfolger übergeben wird. Allerdings beweise die derzeitige weltweite Befragung der Gläubigen in den Diözesen zum Familienbild und zu sexualethischen Themen, dass der neue Papst es mit der Beteiligung vieler Menschen an der Meinungsbildung ernst meine.

Theologisch unterscheide sich Franziskus nicht von seinem Vorgänger Benedikt XVI. Er sei aber stärker den Menschen zugewandt und "pastoral" orientiert als der eher dogmatisch fixierte Benedikt. "Das könnte zur Folge haben, dass er bestimmte Fragen, die auch schon der frühere Papst hätte erleichtern können, aus pastoralen Gründen forciert."

Als Beispiel nannte Weber die Eucharistie (Abendmahl) für konfessionsverschiedene Ehepaare. Auch in der Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Eucharistie gehen dürfen, erwarte er eine zügige Lösung. Das katholische Kirchenrecht erlaube dies unter bestimmten Voraussetzungen. "Hier bedürfte es nur eines starken Impulses des neuen Papstes, dass man in Zukunft so handeln will."

Weber hält auch langfristige Veränderungen im pastoralen Dienst für möglich, die Folgen für die Bedeutung des Zölibats der Priester haben könnten: "Es könnte sein, dass die Personaldecke so dünn wird in der katholischen Kirche, dass überwiegend verheiratete Pastoralreferenten den pastoralen Dienst übernehmen."

Der pastorale Dienst, neben der Spendung der Sakramente die entscheidende Tätigkeit der geweihten Priester, würde dann überwiegend von nicht geweihten Theologen und Theologinnen wahrgenommen. In katholischen Kreisen werde hier schon besorgt von der Gefahr einer "Protestantisierung" des Priesterbildes gesprochen.

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