"Coolste Kirche Deutschlands" steht in Springe -

Nachricht 22. Dezember 2013

Von Michael Grau (epd)

25 Euro für ein Grad Celsius: Mit dieser Regelung sorgte vor einigen Monaten eine evangelische Gemeinde in Springe bei Hannover für Aufsehen. Sie will ihre Kirche im Winter nicht heizen, sondern kalt lassen. Aber zu Weihnachten gibt es eine Ausnahme.

Springe/Reg. Hannover (epd). Heißer Tee, Decken und Handwärmer: Die evangelische St.-Andreas-Kirche in Springe bei Hannover braucht derzeit allerlei Hilfsmittel, damit es den Besuchern so richtig warm wird. Denn der Kirchenvorstand hat beschlossen, die Kirche nicht wärmer als zehn Grad Celsius zu heizen - aus Kostengründen. Zu Weihnachten wirbt die Gemeinde jetzt mit dem Spruch "Sankt Andreas - die coolste Kirche Deutschlands". Rund tausend Postkarten mit diesem Slogan werden an den Feiertagen in den Gottesdiensten verteilt, sagte Pastor Klaus Fröhlich dem epd.

Mit einer ungewöhnlichen Regelung hatte die Kirchengemeinde vor einigen Monaten bundesweit für Aufsehen gesorgt: Wer es wärmer haben will als zehn Grad, muss zahlen - 25 Euro für jedes Grad. "Wir haben keine Wahl, wärmer geht nicht", erläuterte Fröhlich. Die Gemeinde habe einfach nicht das Geld, um das spätmittelalterliche Gebäude aus dem Jahr 1454 im Winter durchgehend zu heizen. "Da rennt die Gasuhr, das ist Wahnsinn."

Vor Ort werde die Regelung mit viel Verständnis aufgenommen, sagt der Pastor. Zwar gebe es auch Kritik, die komme jedoch hauptsächlich von außerhalb. "Je weiter weg, desto empörter." Bis nach Hessen und Franken reichten die Reaktionen, als Presse, Funk und Fernsehen über die Aktion berichteten. Zweimal fanden sich bereits private Spender von jeweils 150 Euro, um die Kirche aufzuheizen - am Reformationstag und am Totensonntag. Auch eine Schule zahlte bei einem Konzert für zusätzliche Wärme.

Lange waren die Temperaturen noch erträglich, doch seit dem zweiten Advent ist es nun richtig kühl in St. Andreas, erzählt Fröhlich. Deshalb macht die Gemeinde an Weihnachten eine Ausnahme und heizt die Kirche auf 16 Grad. Schließlich werden allein an Heiligabend zu vier Gottesdiensten rund 1.000 Besucher erwartet. Seit Montag läuft schon die Heizung. Das freut besonders die Kinder vom Krippenspiel, die vorher noch in der Kirche proben müssen.

Zugleich wirbt die Gemeinde weiter um Spenden und "Freiwilliges Kirchgeld". Ein örtlicher Grafiker hat die Postkarte von der "coolsten Kirche Deutschlands" und dem Motiv eines frostigen Kirchturms vor nächtlichem Himmel entworfen. Rund 2.000 Stück wurden im Advent schon an örtliche Haushalte verteilt.

Künftig stehen für mehr Wärme Tee, rund 50 Decken und 250 Handwärmer zur Verfügung. "Es geht darum, vor allem den älteren Menschen den Gottesdienst so angenehm wie möglich zu machen." Die Zahl der Besucher sei in den vergangenen Wochen konstant geblieben, freut sich der Pastor.

Auch beheizbare Sitzauflagen und der Einbau einer Fußbodenheizung sind im Gespräch. So werde die Wärme dahin gebracht, wo sie wirklich benötigt werde. "Und es braucht wesentlich weniger Energie, als die ganze Kirche warm zu machen."

Ein ähnliches Experiment startete vor vier Jahren die evangelische Martinikirche in Braunschweig mit ihrem Projekt "Martini eiskalt". Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers will zunächst beobachten, wie sich das Modell in Springe entwickelt. "Gut ist auf jeden Fall, dass auf diese Weise die Heizkosten für die Kirche transparent werden", sagte ihr Sprecher Johannes Neukirch. Die Landeskirche ermutige die Gemeinden, sinnvolle und kreative Wege auszuprobieren.

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