Zerstörte Kirche lässt Menschen an Weihnachten zusammenrücken - Garbsener Christen feiern Heiligabend in einer Schule

Nachricht 21. Dezember 2013

Von Michael Grau (epd)

Die Brandstiftung an der evangelischen Willehadi-Kirche schockierte im Sommer die Menschen in Garbsen bei Hannover. Vor Weihnachten erfährt die Gemeinde viel Solidarität - auch von Muslimen.

Garbsen/Reg. Hannover (epd). In Garbsen bei Hannover feiern viele Menschen in diesem Jahr Weihnachten anders als zuvor. In ihre Kirche können sie nicht - stattdessen geht es zum Krippenspiel in die Schulaula. Denn die evangelische Willehadi-Kirche, ein Backsteinbau aus dem Jahr 1969, wurde im Sommer durch Brandstiftung komplett zerstört. "Eine Katastrophe", sagt Pastorin Renate Muckelberg. Der Brand versetzte den ganzen Stadtteil in Unruhe und sorgte bundesweit für Aufsehen. Rechtspopulisten versuchten, vor Ort Stimmung gegen Ausländer zu machen.

Das ist ihnen nicht gelungen, freut sich Pastorin Muckelberg. "Wir haben uns nach diesem Schrecken nicht auseinanderdividieren lassen, das ist eine tröstliche Erfahrung." Der Stadtteil gilt als sozialer Brennpunkt, und schon bald geriet eine Gruppe ausländischer Jugendlicher in Verdacht, die Kirche angezündet zu haben. Schon mehr als 30 Mal haben in Garbsen in diesem Jahr Papiercontainer oder Hecken gebrannt.

Die mutmaßlichen Brandstifter konnten aber bisher nie ermittelt werden. Muckelberg warnt davor, die Jugendlichen vorschnell zu beschuldigen: "Das entbehrt jeder beweisbaren Grundlage, es kann alles ganz anders sein." Auch Landesbischof Ralf Meister hatte im Sommer betont, dass niemand vorverurteilt werden dürfe.

Trotz der angespannten Situation zwischen Angst und Empörung fanden die Rechtspopulisten keinen Widerhall, erzählt Muckelberg. Zwar hätten zwei oder drei von ihnen nach dem Brand einen Info-Stand organisiert, doch 50 Garbsener hätten sich ihnen friedlich entgegengestellt. "Die sind dann bedröppelt wieder abgezogen."

Stattdessen zeigen Bürger quer durch alle Schichten große Solidarität. "Wir sind in der ganzen Stadt zusammengerückt", erzählt Muckelberg. Menschen organisierten Hilfsaktionen und Benefizkonzerte. Der muslimische Kiosk-Betreiber Abdullah Sengül etwa stellte in seinem Kiosk eine Spendenbox für Willehadi auf. "Wir alle sind Garbsen", sagte er.

Auch Imame und die islamische Frauengruppe haben der Pastorin schon ihre Unterstützung zugesichert. Jede Woche nehme sie Spendengelder für Willehadi entgegen. Und in der Adventszeit werde sie überall darauf angesprochen, ob denn Weihnachten in der Gemeinde trotz des Brandes wieder etwas stattfinde.

Mitte nächsten Jahres soll der Wiederaufbau der Kirche beginnen - 2016 will die Gemeinde dort wieder Weihnachten feiern. Die Versicherung wird den größten Teil des Schadens übernehmen. Bis es soweit ist, müssen die Garbsener weiter improvisieren. Für diesen Heiligabend hat ihnen die Stadt die Schulaula mit Platz für 300 Menschen mietfrei zur Verfügung gestellt.

Immerhin ist der Kirchturm bereits neu gestrichen - er war beim Brand unzerstört geblieben. Von hier oben leuchtet im Advent eine Lichtergruppe in Form eines Weihnachtsbaumes durch den Stadtteil. "Das ist ein Hoffnungszeichen, das wir noch da sind."

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