Stille Nacht, einsame Nacht? - 40 Seelsorger schenken Heiligabend ihre Zeit

Nachricht 21. Dezember 2013

Bereits zum 25. Mal gibt es ein besonderes Angebot der Evangelischen und der Katholischen Kirche sowie des NDR: Für alle, die die „stille Nacht“ vor allem als „einsame Nacht“ erleben, gibt es das NDR 1 Weihnachtstelefon. 40 evangelische und katholische Christen sind Heiligabend zwischen 18 und 22 Uhr telefonisch erreichbar. Wer will, kann mit katholischen Ordensleuten, evangelischen Pastorinnen und Pastoren sowie ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern sprechen.

Im vergangenen Jahre wurde die Nummer mehr als tausend Mal angewählt. Bis in die Nacht wurden rund 200 ausführliche Seelsorgegespräche geführt. Viele Anruferinnen und Anrufer waren alleinstehend, fühlten sich von anderen vergessen oder litten unter Krankheit und Armut. Auch in diesem Jahr wird in allen norddeutschen Landesprogrammen des NDR während der Weihnachtssendungen auf die Telefonnummer hingewiesen. Von 18 bis 22 Uhr ist die kostenlose Rufnummer 08000 60 70 80 geschaltet.

25 Jahre NDR 1-Weihnachtstelefon seien ein Segen, meint der Bischof der ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Ralf Meister: „Die Heilige Nacht bringt viele tiefe Lebenserinnerungen ans Licht. Oft werden darin auch Einsamkeit und Trauer gegenwärtig. Gut, dass es seit 25 Jahren dafür beim Weihnachtstelefon die Gelegenheit zum Gespräch gibt. Niemand darf in dieser Nacht allein bleiben. Ich erinnere mich gerne an die Weihnachtsabende, an denen ich als Pastor beim Weihnachtstelefon mitgemacht habe.“

„Gerade an Heiligabend wollen wir niemanden alleine lassen“, sagt Eckhart Pohl, Hörfunkchef von NDR 1 Niedersachsen. Daher weisen die NDR Landesprogramme in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig Holstein auf diesen besonderen Service hin und übernehmen die Telefonkosten.

Jan von Lingen, evangelischer Radiopastor und seit zwölf Jahren Mitwirkender, ergänzt: „In vielen Gesprächen zeigt sich, wie verzweifelt Weihnachten erlebt werden kann. Damit sind wir ganz nah bei der Suche nach der Herberge, bei der Kälte der Heiligen Nacht und der Geburt im Stall in der ersten Weihnacht.“

Andreas Brauns vom katholischen Rundfunkreferat, der seit der ersten Aktion mitmacht und seitdem an jedem Heiligabend am Telefon zuhört, weiß aus Erfahrung: „Die Einsamkeit ist noch immer so bedrängend wie vor 25 Jahren. Ich finde es erschreckend, dass die Aktion so lange nötig ist. Mein Wunsch wäre, dass wir irgendwann das Weihnachtstelefon nicht mehr brauchen und einsame Menschen jemand haben, mit dem sie direkt reden können.“

Nicole Vogel, die Heiligabend als eine von rund 30 Seelsorgern zuhört und auch in der Notfallseelsorge ehrenamtlich mitarbeitet, meint: „Das Weihnachten der verschlossenen Türen habe ich nie verstanden. Für mich wird erst durch die Begegnung und das Zuhören Weihnachten.“
Und Bischof Franz-Josef Bode, dienstältester katholischer Bischof des Nordens, ergänzt: „25 Jahre Weihnachtstelefon, das sind 25 Jahre offene Ohren für die Menschen, die am Heiligen Abend allein sind mit ihren Sorgen und Nöten. Christen feiern Weihnachten: Gott ist für uns Mensch geworden. Er ist für uns da. Ich danke allen, die in 25 Jahren am Heiligen Abend am Weihnachtstelefon für andere da waren.“