Sprengelempfang Osnabrück

Nachricht 11. Dezember 2013

Landessuperintendent Burghard Krause begrüßte Zeit-Redakteurin Petra Pinzler als Referentin vor 300 Gästen

Sprengelempfang Osnabrück
Landessuperintendent Dr. Burghard Krause begrüßte als Referentin des Jahresempfanges des Sprengels Zeit-Redakteurin Petra Pinzler, die über Wachstumswahn und Glück sprach. Foto: Gunnar Schulz-Achelis.

Petra Pinzler hatte bei Tchibo eine Vase in der Hand und merkte, dass sie sich ein Glücksgefühl bescheren wollte, weil sie sich über ihren Chef geärgert hatte. Nötig war die Vase in ihrem Haushalt nicht. Diese Begebenheit erzählte die Zeit-Redakteurin zum Auftakt ihres Vortrages beim alljährlichen Empfang des evangelischen Sprengels Osnabrück am Freitag, 6. Dezember, in der Marienkirche. Die Berliner Journalistin sprach vor 300 Zuhörern aus Kirche und Gesellschaft über „Immer mehr ist nicht genug – vom Wachstumswahn zum Bruttosozialglück“.

Dies ist auch der Titel ihres neusten Buches, in dem sie für Selbstbegrenzung, Verzicht und Entschleunigung plädiert. Gastgeber Landessuperintendent Dr. Burghard Krause legte zum Abschluss die Losung des kommenden Jahres, in der es auch um das Glück geht, aus.

Nach einer Untersuchung in den USA gebe es keinen Zusammenhang zwischen Glück und Wirtschaftswachstum in den Industrieländern. Auch dem Einzelnen werden vorgegaukelt: „Kauf dich glücklich!“ Lebensqualität habe viel mit Status zu tun; aber wenn Autos und Häuser größer werden, geraten Menschen immer mehr in eine „Tretmühle des Glücks“ auf immer höherem Niveau. „Bleiben Sie eingebunden“ riet die 48-Jährige ihren Zuhörer, etwa in Familie oder Gruppen. Bei neuen Rentnern würde anfangs das Glück nach oben schießen, nach einem halben Jahr fehle vielen aber das Eingebunden-Sein und ihre Niveau sinke unter das der letzten Arbeitswoche.

„Das Tempo macht uns unzufriedener“ so Pinzler. Stress als Zivilisationskrankheit habe in den letzten 10 Jahren zur Verdoppelung des Konsums von Antidepressiva geführt. Zeit und Glück könne man nicht sparen, um es am Ende zu genießen.

Im politischen Bereich gelte: „Gleichere Gesellschaften sind glücklichere Gesellschaften“, diese zeige der Vergleich von Dänemark und Russland. „,Haben‘ ist nicht eine hinreichende Bedingung für Lebensqualität. Ein Autounfall sei gut für das Bruttosozialprodukt, weil damit Krankenhaus, Versicherung und Autowerkstatt Arbeit haben. Aber: „Macht immer mehr Bruttosozialprodukt die Menschen zufriedener?“ Auch Effizienzsteigerungen werden oft durch höheren Verbrauch überkompensiert und am Ende wird mehr verbraucht. „Wie schafft man, dass ,weniger‘ nicht gleich ,grau‘ klingt?“ Nicht nur mehr Effizienz sei gefragt, sondern Suffizienz, im Sinne von Selbstbegrenzung, Verzicht und Entschleunigung. Car-Sharing sei in Städten eine Möglichkeit, auf das eigene Auto zu verzichten. Für Politiker sei „weniger“ besonders schwer, da „mehr“ immer auch ein „mehr“ an Ausgaben und Gestaltungsmöglichkeiten einschließe, so Pinzler.

Landessuperintendent Dr. Burghard Krause dankte Pinzler vor allem für ihre wichtigen und dringlichen Fragen, sodass man sich auf die Suche nach Antworten machen müsse. Nach einer Phase der Begegnung der Gäste im Chorumgang der Marienkirche stellte Krause die Jahreslosung 2014 aus Psalm 73,28 in den Mittelpunkt seiner abschließend Betrachtung: „Gott nahe zu sein ist mein Glück“ und nutzte das Bild der Schaukel. „Unsere aufschwungssüchtige Gesellschaft, die sich pausenlos im Wachstumswahn hochschaukelt – sie kann das Glück unserer Volkes nicht garantieren“; auch nicht religiöse Glücksprediger. „Wir leben vom Abschwung Gottes“, von seiner Sehnsucht nach uns. Sie lasse ihn Mensch werden, so Krause in Anspielung auf den Advent.