Braunschweiger wollen Museum für Religionsgeschichte gründen

Nachricht 10. Dezember 2013

Die Geschichte von Judentum, Christentum und Islam soll in Braunschweig in einem neuen Museum dokumentiert werden. Religionsvertreter hoffen, dass dadurch Vorurteile abgebaut werden.

Braunschweig (epd). In Braunschweig soll nach Plänen von Fachleuten ein neues Museum für Religionsgeschichte entstehen. Es soll die Geschichte der großen Weltreligionen in Europa und in der Region Braunschweig darstellen, sagte die Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, Heike Pöppelmann, am Mittwoch. Dieser Ansatz sei einzigartig in Niedersachsen. Über ein Konzept und einen Zeitplan wollen rund 50 Wissenschaftler, Museumsexperten und Religionsvertreter bis zum Freitag auf der Fachtagung "Geschichte - Museum - Religion" beraten.

Themen wie Pilgern seien bis heute aktuell. Schon der Welfen-Herzog Heinrich der Löwe (um 1130-1195) sei gepilgert, sagte Pöppelmann. Das Museum für Religionsgeschichte soll in die Räume des bisherigen Jüdischen Museums ziehen. Inhaltlich soll die Ausstellung einen geschichtlichen Bogen von der Christianisierung in der Karolingerzeit im achten Jahrhundert bis in die Gegenwart schlagen.

Vertreter von Christentum, Judentum und Islam begrüßten die Initiative. Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber hob die Bedeutung von Bildung für den friedlichen interkulturellen und interreligiösen Dialog hervor. "Zur Gesellschaft mit kultureller Vielfalt kann nur beitragen, wer sich für die fremden Kulturen und für die eigene kulturelle Identität interessiert", erläuterte der evangelische Bischof.

Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister bekräftigte, das Wissen um die eigene Religion und die fremden Religionen und deren Geschichte sei elementar wichtig. "Alle Religionen stehen in der Gefahr, wenn sie ungebildet bleiben, fundamentalistisch zu werden." Gleichzeitig müsse ein künftiges Museum mit Tagungen und Diskussionsrunden aktiv zur Auseinandersetzung mit der Religionsgeschichte einladen, forderte der evangelische Theologe.

Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle sagte, wenn Menschen sich mit der Geschichte und den Traditionen beschäftigten, könnten die leider immer noch bestehenden Vorurteile abgebaut werden. So entstehe ein "Dialog auf Augenhöhe", der zum Weltfrieden beitrage, erläuterte der Theologe in einem schriftlichen Grußwort.

Der jüdische Landesrabbiner Jonah Sievers betonte, in der heutigen Gesellschaft sei es notwendig, den Menschen die Religionen zu erklären. "Das wäre vor 20 Jahren kaum jemanden in den Sinn gekommen." Dabei dürften die Religionen allerdings nicht als "tote Kultur" gezeigt werden, mahnte Sievers.

Der Sprecher des Rates der Muslime in Braunschweig, Hayri Aydin, sagte, durch diese Einrichtung werde ein "Trialog" ermöglicht. "Bis jetzt haben wir übereinander geredet."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen