Experten vermissen Lehrkräfte und Vorbilder für Islamunterricht

Nachricht 07. Dezember 2013

Münster/Osnabrück (epd). Für einen islamischen Religionsunterricht in Deutschland fehlen nach Meinung islamischer Theologen Vorbilder und Lehrkräfte. Deshalb könne der islamische Religionsunterricht nicht schnell flächendeckend eingeführt werden, sagte am Sonnabend der Leiter des Münsteraner Zentrums für Islamische Theologie, Mouhanad Khorchide. Nur in wenigen Ländern gebe es eine islamische Religionspädagogik mit eigenen islamischen Konzepten, ergänzte der Experte bei einer Tagung der Zentren für islamische Theologie in Münster und Osnabrück.

Vieles müsse aus der evangelischen und katholischen Religionsdidaktik entlehnt und überarbeitet werden. "Wir stehen erst am Anfang", betonte der im Libanon geborene Khorchide. Dennoch sieht der Institutsleiter gute Fortschritte. Der Theologe war in den vergangenen Wochen von islamischen Verbänden kritisiert worden, die ihm vorwerfen, mit einem liberalen Verständnis den Grundzügen des Islam zu widersprechen.

Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie in Osnabrück betonte, muslimische Religionslehrer müssten in Deutschland auf unterschiedliche Hintergründe ihrer Schüler vorbereitet werden. Deren Familien stammten aus der Türkei, aus arabischen und anderen Ländern, seien Sunniten und Schiiten. Erfahrungen anderer Länder könnten kaum weiterhelfen.

Anders als von einigen muslimischen Eltern erwartet, kann der islamische Religionsunterricht Kiefer zufolge nicht ansatzlos zum Glauben erziehen. "Schule kann in einer modernen Religionspädagogik nicht den Glauben erzeugen, sondern sie geht vom Glauben aus", erläuterte der Forscher. Die Grundlagen für die Bindung an die Religion müssten bereits in der Familie und der religiösen Gemeinschaft gelegt werden.

Jan Felix Engelhardt vom Münsteraner Islamzentrum rief die ebenfalls im Aufbau befindliche islamische Theologie dazu auf, sich gesellschaftspolitisch einzumischen. Muslime sollten sich aus ihrer Religion heraus zu Fragen der Wirtschafts- und Medizinethik oder der Flüchtlingspolitik äußern. Das könne helfen, die oft negative Wahrnehmung des Islam zu korrigieren.

Die islamische Theologie und Religionspädagogik wird derzeit an mehreren Universitäten etabliert. Münster und Osnabrück bilden gemeinsam eines von vier deutschen Zentren.

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