Stadtkirchenverband Hannover will Flüchtlinge unterstützen

Nachricht 04. Dezember 2013

Hannover (epd). Die evangelische Kirche in Hannover will aktiv auf Flüchtlinge zugehen. In einer einstimmig beschlossenen Resolution spricht sich der Stadtkirchentag dafür aus, gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Kräften eine "Willkommenskultur" in der Stadt zu schaffen, wie der Stadtkirchenverband am Donnerstag mitteilte. "Wir als Kirchengemeinden sehen uns hier in der Pflicht", heißt es darin. Der Stadtkirchentag repräsentiert rund 61 evangelisch-lutherische Kirchengemeinden mit rund 203.000 Mitgliedern.

Die Resolution soll am dritten Advent (15. Dezember) in allen Gemeinden im Gottesdienst verlesen werden. Darin werden die Gemeinden aufgefordert, Flüchtlingen unter anderem günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen und ihnen beizustehen. Auch Sportvereine, Bürgerinitiativen und Anwohner werden gebeten, Flüchtlinge nach Möglichkeit einzubeziehen. Von der Politik erwartet die Kirche zügige Asylverfahren. Flüchtlinge bräuchten schnelle und gute Deutschkurse und einen Zugang zum Arbeitsmarkt.

Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann erinnerte daran, dass die "heilige Familie" mit Maria, Josef und dem Jesuskind selbst eine Flüchtlingsfamilie gewesen sei. In der Advents- und Weihnachtszeit stehe der Kirche eine solche Initiative daher "doppelt gut an". Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes sagte, die Politik allein stoße beim Thema Flüchtlinge schnell an ihre Grenzen: "Eine Willkommenskultur kann man nicht als Verwaltungsakt beschließen."

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Der Text im Wortlaut:

"Fremde aufzunehmen, Verfolgten beizustehen und Flüchtlinge gut zu behandeln, ist ein Wesensmerkmal unserer jüdisch-christlichen Kultur. Im 3. Buch Mose heißt es: „Wie einen Einheimischen aus eurer eigenen Mitte soll euch der Flüchtling gelten, der bei euch wohnt und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19,34)

Für Flüchtlinge ist hier alles fremd, staatliches Handeln kommt schnell an Grenzen. Die Verwaltungen der Städte Hannover, Garbsen und Seelze stehen allein schon in der Frage der Unterbringung vor einer sehr großen Herausforderung, sie können nur begrenzt auf eine „Willkommenskultur“ hinwirken. Eine solche Kultur kann nur verwirklicht werden, wenn viele daran mitwirken. Wir als Kirchengemeinden sehen uns hier in der Pflicht und versuchen auf die Flüchtlinge zuzugehen. Unser Vorschlag ist, dass wir das am 3. Advent in allen unseren Gottesdiensten in Hannover, Garbsen und Seelze zum Thema machen und in den Gremien überlegen, inwieweit wir Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen und ihnen beistehen können.

Außerdem bitten wir Sportvereine, Bürgerinitiativen, Anwohner und Interessierte, Flüchtlinge im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzubeziehen und sie nicht auszugrenzen.

Gleichzeitig ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, damit Integration gelingen kann.

Deshalb setzen wir uns als Kirche mit ihrer Diakonie in Hannover, Garbsen und Seelze politisch dafür ein, dass Flüchtlinge
- zügige Asylverfahren
- schnell gute Deutschkurse für alle, auch für Kinder und
- einen Zugang zum Arbeitsmarkt
erhalten.

So wird einer weiteren Ausgrenzung der Flüchtlinge Einhalt geboten. Hier sehen wir die Politik in den Kommunen, im Land und im Bund in der Pflicht."