Bischof Meister empört über antisemitischen Eklat in Hannover

Nachricht 28. November 2013

Hannover/Berlin (epd). Der evangelische Landesbischof Ralf Meister hat sich empört über einen antisemitischen Zwischenfall in Hannover geäußert. "Ich bin sehr betroffen, dass sich die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde rechtsextreme rassistische Äußerungen und Beleidigungen anhören musste", sagte Meister am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus in Berlin zeigte sich entsetzt über den Vorfall.

Bei einer Podiumsdiskussion der Region Hannover zum Thema "Der lange Schatten von 1933" hatte ein Rechtsextremer am Donnerstagabend die jüdische Vorsitzende Ingrid Wettberg vor rund 150 Besuchern unter anderem mit ausgestreckter Hand als "Lügnerin" bezeichnet. Daraufhin kam es im Saal zu Tumulten. Laut Wettberg soll der Mann später sogar versucht haben, zu ihr auf das Podium zu kommen. Sie selbst sei in dieser Situation erstarrt. "Ich war wie angewachsen", sagte sie dem epd.

Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) erteilte dem Störer Hausverbot. Daraufhin habe er sich auf den Boden geworfen, sagte Wettberg. Später betrat er ein zweites Mal den Raum. Besucher der Veranstaltung drängten ihn zurück, und die Polizei griff ein. Der Mann soll den Behörden bereits bekannt sein.

Wettberg sagte, sie habe nach der Veranstaltung zunächst Angst gehabt, zu ihrem Auto zu gehen. Später habe sie viele unterstützende E-Mails von Besuchern der Diskussion erhalten. Ein Besucher habe den Störer angezeigt. Die Gemeindevorsitzende zeigte sich positiv berührt von der Reaktion des Publikums: "So lange wir solche Menschen und solche Politiker haben, wie ich es hier erlebt habe, fühle ich mich gut, trotz des Vorfalls."

Bischof Meister unterstrich, dass Christen den klaren Auftrag hätten, gegen jede Form von Antisemitismus aufzustehen und konkret zu handeln. Das hannoversche evangelische Kirchenparlament hatte am Freitag einen Passus in die Kirchenverfassung aufgenommen, nach der Christen und Juden eng miteinander verbunden sind.

Das Jüdische Forum für Demokratie erklärte, der Vorfall stelle einen weiteren Höhepunkt antisemitischer Übergriffe dar, nachdem erst vor kurzem der jüdische Friedhof in Oldenburg geschändet worden sei. Die künftige Bundesregierung müsse Strategien gegen Judenfeindschaft entwickeln. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Berlin will nach eigenen Angaben den interreligiösen und interkulturellen Austausch stärken.

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Statement von Landesbischof Meister im Wortlaut

"Ich verurteile den Zwischenfall bei der Podiumsdiskussion im Haus der Regionen aufs schärfste und bin sehr betroffen, dass die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, die von mir hoch geschätzte Ingrid Wettberg, sich rechtsextreme rassistische Äußerungen und Beleidigungen anhören musste. Umso wichtiger ist deshalb, dass in unserer Kirchenverfassung das Verhältnis von Christentum und Judentum aufgenommen wurde. Daraus ergibt sich für uns alle der klare Auftrag, gegen jede Form des Antisemitismus und Antijudaismus in unserer Gesellschaft aufzustehen und konkret zu handeln."