Gräb-Schmidt und Bedford-Strohm in den Rat der EKD gewählt

Nachricht 11. November 2013

Die Theologieprofessorin Elisabeth Gräb-Schmidt (Tübingen) und der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, wurden heute Vormittag (12. November) auf der in Düsseldorf tagenden Synode der EKD in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Gräb-Schmidt erhielt 112 Stimmen, für Bedford-Strom votierten 106 Mitglieder von Synode und Kirchenkonferenz der EKD.

Elisabeth Gräb-Schmidt wurde 1956 in Münster geboren und ist Professorin für Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik. Sie studierte Theologie in Göttingen und Heidelberg. 1992 promovierte sie in Mainz und habilitierte sich 2001 in Tübingen. Von 2002 bis 2010 war sie Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seitdem lehrt sie an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Seit 2010 gehört sie der Kammer der EKD für öffentliche Verantwortung an, zuvor war sie Mitglied der Kammer für nachhaltige Entwicklung.

Der 1960 in Memmingen geborene Heinrich Bedford-Strohm hat Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley/USA studiert. Er war Pfarrer in Coburg und habilitierte sich 1998 in Heidelberg in Systematischer Theologie. 2004 übernahm er eine Professur für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen an der Universität Bamberg. 2011 wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gewählt. Bedford-Strohm gehört dem Aufsichtsrat des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung an und ist stellvertretender Vorsitzender der Sozialkammer der EKD.

Die Nachwahl in den 15köpfigen Rat der EKD war notwendig geworden, da der ehemalige bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und die Theologieprofessorin Christiane Tietz ihre Mandate niedergelegt hatten. Wahlberechtigt waren die 126 Mitglieder der EKD-Synode und die Kirchenkonferenz der EKD. Am Sonntagabend hatten die Kandidatin und der Kandidat sich der Synode vorgestellt.
Dem Rat der EKD, dessen aktuelle Amtsperiode im November 2015 endet, gehören entsprechend der Grundordnung der EKD 15 Mitglieder an. Der Rat leitet die EKD in allen Angelegenheiten, die nicht ausdrücklich der Synode oder der Kirchenkonferenz vorbehalten sind. Insbesondere soll er für die Zusammenarbeit der kirchlichen Werke und Verbände in allen Bereichen sorgen, die evangelische Christenheit in der Öffentlichkeit vertreten und zu Fragen des religiösen und gesellschaftlichen Lebens Stellung nehmen.

Düsseldorf, den 12. November 2013


Pressestelle der EKD

Reinhard Mawick

„Mit neuem Arbeitsrecht gehen Kirche und Diakonie auf die Gewerkschaften zu“

Die evangelische Kirche möchte sich gemeinsam mit den Gewerkschaften für gute Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen einsetzen. Dies gehe über die Festlegung der Gehälter hinaus, heißt es in dem heute Abend (10. November) von Vizepräses Klaus Eberl schriftlich vorgelegten Bericht des Präsidiums der Synode.

Mit der Neuregelung des kirchlichen Arbeitsrechtes, die auf der Synodentagung in Düsseldorf zur Beschlussfassung ansteht, gehen die evangelische Kirche und ihre Diakonie bewusst auf die Gewerkschaften zu, so der Bericht. Im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Sozial- und Gesundheitswesens gebe es „durchaus gemeinsame Ziele“.

So gehe es darum, deutlich mehr Menschen für Berufstätigkeiten in der Erziehung, in der Pflege und in der Betreuung zu gewinnen. Dies könne nur mit guten Arbeitsbedingungen und „besserer gesellschaftlicher Anerkennung der Tätigkeiten erfolgen“, heißt es in dem Bericht weiter. Keiner der Sozialpartner werde dieses Ziel alleine erreichen, aber alle gemeinsam könnten ihm ein gutes Stück näher kommen.

In dem Bericht wird die in dem Gesetzentwurf zur Regelung des Arbeitsrechts vorgesehene Gleichberechtigung von kirchlichen Tarifverträgen und des Dritten Weges über Arbeitsrechtliche Kommissionen hervorgehoben. Die Gewerkschaften erhielten im Dritten Weg „gute Möglichkeiten der koalitionsmäßigen Betätigung“. Sie seien in den Einrichtungen willkommen, um zu informieren und zu werben. Auch würden die Rechte der Mitarbeitervertretungen gestärkt.

In dem Bericht des Präsidiums wird dafür geworben, dass die Kirchen angesichts verstärkter sozialer Spannungen in Europa „für Solidarität und eine belastbare Gesellschaft“ eintreten. Es gehe um die „Zukunftsfähigkeit der europäischen Integration“. Der schriftliche Bericht enthält außerdem den Aufruf zur Zivilcourage, um rechtsextremer, antidemokratischer und antisemitischer Gewalt argumentativ entgegenzutreten.

Düsseldorf, 10. November 2013

Pressestelle der EKD

Reinhard Mawick

Nikolaus Schneider hält Ratsbericht vor EKD-Synode in Düsseldorf / „Die Heilige Schrift als Maß und Mitte evangelischer Urteilsbildung“

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat am heutigen Sonntag vor der 6. Tagung der 11. Synode der EKD seinen Ratsbericht gehalten.

Unter dem Titel „Die Heilige Schrift als Maß und Mitte evangelischer Urteilsbildung“ entfaltete Schneider die Bedeutung und den Gebrauch der Bibel in heutiger Zeit. Schneider begann mit der Feststellung: „Alles theologische Nachdenken über Gott und die Welt beginnt und endet mit der Heiligen Schrift, sie ist der Schatz, das Herz, die große Liebe der reformatorischen Kirchen.“ Er machte deutlich, dass es zum „Kern reformatorischer Einsichten“ gehöre „kein Amt und keine Person anzuerkennen, das oder die Gottes Wort in Menschenworten eindeutig und abschließend“ zu definieren beanspruche, vielmehr gelte, so der Ratsvorsitzende: „Es ist eine bleibende und immer neue Aufgabe reformatorischer Theologie und kirchlicher Äußerungen, die Schrift durch die Schrift im Diskurs der Glaubenden auszulegen.“ Auf diesem „kommunikativen Weg“ werde der reformatorische Grundsatz „sola scriptura“ verwirklicht.

In Bezug auf das seit Sommer 2013 heftig umstrittene Familienpapier des Rates der EKD („Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familien als verlässliche Gemeinschaft stärken“) stellte Schneider fest: „Es hat keinen Sinn, sich in der Auseinandersetzung um die Orientierungshilfe auf einzelne Bibelstellen zu berufen, ohne hermeneutisch zu reflektieren, was damals konkret gemeint war.“

Der Ratsvorsitzende betonte desweiteren die Wertschätzung der evangelischen Kirche für die Ehe und sagte: „Wir machen Mut und Lust zur lebenslangen Ehe und verstehen sie als Leitbild.“ Gleichzeitig aber spreche man Alleinerziehenden, 'Patchworkfamilien' und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht ab, dass Menschen darin treu, vertrauensvoll, verantwortlich und liebevoll zusammenleben können. Schneider: „Auch in ihnen kann der Segen Gottes erwartet und erfahren werden.“ Und auch diese Formen familiären Zusammenlebens verdienten kirchliche Wertschätzung und Förderung. Es sei ein Verdienst der EKD-Orientierungshilfe, dass sie dies ausgesprochen und dazu konkrete Vorschläge formuliert habe.

In diesem Zusammenhang dankte Nikolaus Schneider ausdrücklich der Ad-hoc-Kommission, die die Orientierungshilfe für den Rat der EKD erarbeitet hatte. Die Kommission habe mit ihrer Arbeit „für unsere Kirche, für die Diakonie und die Familienverbände“ wichtige Impulse gegeben, und viele Menschen haben durch die Orientierungshilfe eine Wertschätzung ihrer Kirche erfahren, die sie bisher vermisst hatten. Die theologische Debatte müsse aber weitergehen, so Schneider. Deshalb habe der Rat der EKD die Kammer für Theologie gebeten, die theologisch-hermeneutischen Grundfragen aufzunehmen und einen Text zum evangelischen Verständnis der Ehe zu erarbeiten.

Der Ratsvorsitzende äußerte sich auch zu den drängenden Problemen der Flüchtlinge international und in Deutschland. Bezugnehmend auf seine ökumenische Besuchsreise zu syrischen Flüchtlingen in Jordanien vor einer Woche appellierte Schneider: „Unsere Botschaft ist klar und einfach. Sie lautet: Schaut auf die Not der Flüchtlinge, gerade angesichts des Winters, und verschließt eure Herzen nicht. Helft im Nahen Osten und in Deutschland denen, die es jetzt wirklich brauchen!“

Daran anknüpfend forderte Nikolaus Schneider „ein Umdenken in der Europäischen Flüchtlingspolitik, denn: „Das großartige Friedensprojekt Europa muss seinen Geist auch darin erweisen, dass Humanität den Umgang mit Flüchtlingen bestimmt. Schiffbrüchige zu retten muss zu den Aufgaben von ‚Frontex‘ und ‚Eurosur‘ gehören. Fischer, die Ertrinkende retten, dürfen dafür nicht bestraft werden. Flüchtlingsunterkünfte müssen menschenwürdige Aufnahme garantieren.“ Außerdem dürfe die Forderung nach Verbesserungen der Lage in den Herkunftsländern nicht zur Ausrede für Abschottungsmaßnahmen werden.

Der Ratsvorsitzende bekräftigte weiter: „Schutzsuchende haben einen Anspruch auf Zugang zu einem fairen und effektiven Asylsystem, auf welchem Weg auch immer sie Europa erreichen“ und forderte eine grundlegende Reform des „Dublin-Systems“, denn, so Schneider: „Die Verantwortung für Schutzsuchende muss unter den Mitgliedstaaten gerecht verteilt werden.“ Und bezüglich der Situation an den Europäischen Außengrenzen betonte Schneider schließlich: „Eine ad-hoc-Rückschiebung von auf hoher See aufgegriffenen Migranten ohne das Einräumen eines individualisierten Prüfverfahrens und ohne Rechtsbehelf darf es nicht mehr geben“, denn jeder einzelne Flüchtling habe das Recht gehört zu werden, so wie es der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem wegweisenden Urteil postuliert habe.

Düsseldorf, 10. November 2013

Pressestelle der EKD

Reinhard Mawick

 

Eröffnungsgottesdienst: „Gott tritt für die Rechte der Vernachlässigten ein“

Mit einem festlichen Gottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche wurde am heutigen Sonntagmorgen die 6. Tagung der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eröffnet. Der Leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland, Präses Manfred Rekowski (Düsseldorf), legte seiner Predigt das Gleichnis der Bittenden Witwe aus dem Lukasevangelium (Kapitel 18) zugrunde.

Präses Rekowski erinnerte an die Gebete für eine Überwindung der Teilung Deutschlands vor über 20 Jahren. Gott sei damals auf der Seite der Menschen gewesen, „die sich so sehr nach Veränderung, nach Recht und Freiheit sehnten“. Mit Blick auf die Menschen, die unter dem Jahrzehnte währenden Bürgerkrieg im Kongo leiden, bat Rekowski eindringlich darum, dass Gott auch heute ein- und durchgreifen möge: „Lass unsere Gebete endlich wirken!“

Das Gleichnis von der Bittenden Witwe, die einem gleichgültigen Richter unablässig in den Ohren liegt, mache deutlich, dass Gott unmittelbar für die Menschen ansprechbar und erreichbar sei, so der rheinische Präses weiter. „Gott tritt für deine Rechte ein. Und er tritt auch für die Rechte der Vernachlässigten, der Gequälten und der Vergessenen ein“, sagte Rekowski.

Der Gottesdienst wurde live im Zweiten Deutschen Fernsehen übertragen. Im Anschluss an den Gottesdienst beginnt die Tagung der EKD-Synode mit dem Bericht des Vorsitzenden des Rates der EKD, Nikolaus Schneider. Die 126 Synodalen aus den 20 Gliedkirchen der EKD beraten bis Mittwoch, 13. November, das Schwerpunktthema Welternährung und werden verschiedene Berichte, Gesetzesvorlagen und Beschlussanträge diskutieren und verabschieden.

Am heutigen Sonntag steht neben dem Bericht Schneiders und der Aussprache darüber die Wahl eines oder einer neuen Präses der Synode der EKD im Mittelpunkt. Dieses Leitungsamt muss neu besetzt werden, nachdem die bisherige Präses Katrin Göring-Eckardt Ende September 2013 das Amt niedergelegt hatte.

Düsseldorf, den 10. November 2013 

Pressestelle der EKD

Reinhard Mawick