Landeskirche betont transparente Finanzen

Nachricht 15. Oktober 2013

Geistlicher Vizepräsident Arend de Vries im Gespräch

Hannover (epd). Angesichts der Debatte um die hohen Kosten beim Bau des Limburger katholischen Bischofssitzes hat Deutschlands größte evangelische Landeskirche die Transparenz ihrer Finanzen betont. Die Haushalte würden von einem Kirchenparlament beschlossen und seien komplett öffentlich einsehbar, sagte der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Jeder kann aus dem Haushalt entnehmen, was der Bischof verdient und wie viele Mitarbeiter er hat."

Sondervermögen wie den "Bischöflichen Stuhl" in der katholischen Kirche gebe es in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers nicht, unterstrich de Vries: "Es gibt keine Person und kein Gremium, das vertraulich Haushalte verwaltet, ohne dass darüber Rechenschaft abgelegt und Öffentlichkeit hergestellt wird." Die Einnahmen der evangelischen Kirche kämen zum allergrößten Teil aus der Kirchensteuer. Die hannoversche Landeskirche hat rund 2,8 Millionen Mitglieder und umfasst drei Viertel Niedersachsens.

Scharf distanzierte sich de Vries von jeder Art von kirchlichem Prunk, wie er dem Limburger Bischof vorgeworfen wird. "Prunk passt nicht zur Kirche." Zwar besäßen auch die Protestanten historische Schätze und repräsentative Räume und ließen sie ästhetisch ansprechend restaurieren. Aber niemand werde auf die Idee kommen, das Kloster Loccum bei Nienburg oder das Michaeliskloster in Hildesheim als Prunk zu bezeichnen.

Der Haushalt der hannoverschen Landeskirche lag 2012 bei 511 Millionen Euro. Davon kamen 469 Millionen Euro aus Kirchensteuern. Die übrigen Einnahmen stammten aus Mieten, Pachten, Dienstwohnungsvergütungen, Erstattungen sowie Staatsleistungen. Hinzu kommen laut de Vries Rücklagen in der Höhe eines Jahreshaushaltes. Diese seien zum großen Teil zweckgebunden, unter anderem für die Altersvorsorge der Pastoren, für den Finanzausgleich unter den Landeskirchen sowie als Betriebskostenrücklage im Falle eines Einbruchs bei den Kirchensteuern.

Hinzu komme auch das Vermögen der 1.270 Kirchengemeinden zwischen Hann. Münden und Cuxhaven. Diese verfügten in unterschiedlichem Ausmaß über weitere Gebäude, Grundstücke oder Stiftungen. Die Ortsgemeinden seien aber zum größten Teil von Kirchensteuern abhängig, die ihnen von der Landeskirche zugewiesen würden.

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