Landesbischof Meister gegen Geflügelexporte nach Afrika

Nachricht 30. August 2013

Hannover/Celle (epd). Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover hat sich gegen den massenhaften Export überzähliger Geflügelteile nach Afrika gewandt. "In einem weltweiten wirtschaftlichen Gefüge ist es unverantwortlich, wenn starke Länder ihre Macht mit Dumpingpreisen schamlos ausnutzen und in Kauf nehmen, dass armen Menschen ein Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen entzogen wird", erklärte er am Sonnabend in Hannover: "Starke haben Verantwortung für Schwache - dieser ganz elementare menschliche Grundsatz muss auch weltweit zur Geltung gebracht werden."

Meister stellte sich damit hinter eine Kritik des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt". Dieses hatte sich wiederholt gegen europäische Fleischexporte nach Afrika gewandt. Die dortigen Märkte würden mit Geflügelteilen überschwemmt, die in Europa niemand mehr haben wolle. Dadurch verlören die kleinbäuerlichen Betriebe Afrikas eine wichtige Einnahmequelle.

Gegner der Agrarindustrie hatten für Sonnabend angekündigt, Europas größten Geflügelschlachthof in Wietze bei Celle zu umzingeln und gegen die industrielle Landwirtschaft zu protestieren. Auf dem umstrittenen Schlachthof können nach Angaben des Bündnisses "Wir haben es satt" täglich rund 430.000 Hühner geschlachtet werden.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

 

Text im Wortlaut: Fleischexporte nach Afrika

FÜR DIE MARGINALSPALTE -

Einwürfe und Kommentare von Landesbischof Ralf Meister:

"Der Fleischverzehr in Deutschland hat sich seit den 50er Jahren mehr als verdoppelt und diese Entwicklung hat globale Folgen. So ist intensive Tiermast nicht denkbar ohne den Import von Soja aus Lateinamerika und den Export von Fleischprodukten. Die weltweiten gegenseitigen Abhängigkeiten und ihre Auswirkungen sind komplex und erlauben keine einfachen Schlussfolgerungen. Unsere Landessynode hat sich 2011 mit den Problemen der Nutztierhaltung auseinandergesetzt und Kriterien für den Diskurs formuliert. Sie fordert einen Wandel, „der zielgerichtet und unverzüglich zu Formen der Tierhaltung und Tiernutzung im Sinne von Tierwohl, Menschengesundheit und Nachhaltigkeit führt“. Dabei betont sie zu Recht, dass diese Debatte nicht auf Kosten der Landwirte ausgetragen werden darf, die sich wirtschaftlich verantwortlich zeigen und nachhaltig das Land bewirtschaften.

Bei aller nötigen Diskussion dürfen jedoch offensichtliche Missstände, die eine direkte Intervention erfordern, nicht übersehen werden. In einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert das Hilfswerk Brot für die Welt, dass innerhalb eines Jahres die deutschen Fleischexportbetriebe ihre Ausfuhr nach Afrika mehr als verdoppelt haben. Seit Jahren schon weist Brot für die Welt auf die katastrophalen Auswirkungen europäischer Fleischexporte nach Afrika hin. Mit Dumpingpreisen werden dort die Märkte mit Geflügelteilen überschwemmt, die bei uns niemand mehr haben will. Die kleinbäuerlichen Betriebe Afrikas verlieren dadurch eine wichtige Einnahmequelle. Deshalb fordert Brot für die Welt „die EU und die Bundesregierung auf, die Anreize zur Überproduktion zu stoppen und den Export von Fleisch nach Afrika einzudämmen.“

In einem weltweiten wirtschaftlichen Gefüge ist es in der Tat unverantwortlich, wenn starke Länder ihre Macht mit Dumpingpreisen schamlos ausnutzen und in Kauf nehmen, dass armen Menschen ein Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen entzogen wird. Starke haben Verantwortung für Schwache – dieser ganz elementare menschliche Grundsatz muss auch weltweit zur Geltung gebracht werden. Denn Gott ist der Schöpfer der ganzen Welt und aller Menschen."

Landesbischof Ralf Meister, Hannover

 *** In der Reihe FÜR DIE MARGINALSPALTE kommentiert Landesbischof Ralf Meister aktuelle Themen ***

 

Hannover, 30.08.2013

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