Diakonie: Keine Wende im Kampf gegen Armut in Sicht

Nachricht 29. August 2013

Diakonie: Zahlen zur Armutsgefährdung in Niedersachsen zeigen einen bedrohlichen Negativtrend

„Leider keine Wende in Sicht. Im Gegenteil: Die Zunahme der Gefahr der Armut, insbesondere für alleinerziehende und ältere Frauen ist beunruhigend.“ So bewertet Dr. Christoph Künkel, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, die heute vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen vorgelegten Zahlen zur Armutsgefährdung. Darin wird ein Anstieg der Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen von 15,2 auf 15,4 Prozent verzeichnet, dies bedeutet eine Zunahme von 0,2 Prozent seit September 2012. Besonders auffällig ist, dass die Armutsgefährdung bei älteren Menschen noch einmal zugenommen hat. Nach wie vor sind Frauen, und zunehmend ältere Frauen stärker von Armut bedroht (16,6 %).

„Wir sehen uns durch die Beobachtungen aus unseren über 400 Beratungsstellen der Diakonie in Niedersachsen leider eindeutig bestätigt. Es kommen immer mehr ältere Menschen in die Beratungsstellen, denen die Rente nicht mehr reicht, um über die Runden zu kommen. Die Armut wird älter. Das aber darf so nicht weitergehen. Hier ist die Politik aufgefordert, schnell und nachhaltig umzusteuern“, so Künkel.

Ebenso sind auch Familien, und damit auch Kinder und Jugendliche von Armut bedroht. Künkel betont hierzu: „Obwohl die Probleme lange bekannt sind, fehlt es in unserem Land immer noch an echter Bildungsgerechtigkeit. Ohne Bildung aber gibt es auch für die heranwachsende Generation keinen Ausweg aus der Armutsfalle. Wir fordern deshalb verstärkte Anstrengungen, um den von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen gleiche Bildungschancen zu ermöglichen.

Künkel bemängelte auch, dass trotz eines leichten Rückgangs der Hartz IV-Empfänger die Armutsquote ansteige. „Das zeigt doch, dass auch die sozialen Transferleistungen oft nicht mehr ausreichen, um die Armutsgefährdung zu verhindern. Und auch die Menschen mit geringen Verdiensten kommen nicht aus der Armutsgefährdung heraus. Deshalb brauchen wir dringend einen für alle Branchen verpflichtenden Mindestlohn.“

Caritas und Diakonie haben anlässlich der Bundestagswahl 2013 eine Sozialcharta geschrieben, die die wesentlichen Forderungen für eine wirksame Armutsbekämpfung und eine gerechte Sozialpolitik beschreibt.