Generalkonvent Kirchenmusik hat getagt

Nachricht 22. August 2013

Überlastung oder Übergangsproblem? Generalkonvent diskutiert im Michaeliskloster die Situation der Kirchenmusik

Generalkonvent Kirchenmusik
Gesa Rottler, Ulrich Petter, Kerstin Gäfgen-Track, Jochen Arnold, Sven Stagge, Caroline Schneider-Kuhn und Franz Riemer diskutiert die Vereinbarkeit von Schule und musischen Aktivitäten. Foto: Ralf Neite.  

Nur alle vier Jahre kommen die hauptamtlichen KirchenmusikerInnen in der evangelischen Landeskirche Hannovers zu einem Generalkonvent zusammen. Entsprechend hoch war die Beteiligung beim Konvent, der jetzt im Zentrum für Kirchenmusik im Michaeliskloster Hildesheim über die Bühne ging: 140 Teilnehmende – fast 100 Prozent der Hauptamtlichen – diskutierten den Ist-Stand und die Zukunft der Kirchenmusik.

„Wie erreichen wir den Nachwuchs ,trotz’ der Schule?“, hieß eine der Kernfragen des zweitägigen Treffens. Das Problem betrifft nicht nur die Kirchenmusik, Vereine und Organisationen aller Sparten kennen es aus leidvoller Erfahrung: Nicht zuletzt durch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre hat sich der Druck auf Kinder und Jugendliche erhöht. Die Schulzeiten sind länger, für Freizeitaktivitäten bleibt weniger Zeit. Die musische und religiöse Bildung gehört mit zu den Leidtragenden.

„Die Schulen und auch die Eltern scheinen auf hohe Leistung zu setzen und nicht auf Kreatitvität“, sagte Ulrich Petter, Leiter der Musikschule in Hildesheim, bei einem Podium, das Jochen Arnold, Direktor des Michaelisklosters, moderierte. Gesa Rottler, Leiterin der Einrichtung „Kinder, Kirche und Musik“ in Hannover, bestätigte, dass Eltern aus Angst vor schlechteren Noten ihre Kinder oftmals schon vorsorglich vom Instrumentalunterricht abmeldeten, bevor sie in die fünfte Klasse kommen.

Prof. Dr. Franz Riemer, Präsident des Landesmusikrats, bezog eine klare Position: „Wir passen uns an den europäischen Rahmen an, das ist ein Jammer.“ In Deutschland werde versucht, den Stoff von 13 Jahren in zwölf Jahren abzuhandeln – und das sei mehr als in anderen Ländern, deren zwölfjähriges Abitur als Vorbild gedient habe.

Dass die Jugendlichen gar nicht so wenig Freizeit zur Verfügung hätten, war hingegen die These Sven Stagges, Referent für kulturelle und musische Bildung im niedersächsischen Kultusministerium. Die Gewöhnung an das zwölfjährige Abi sehe er „als Übergangsproblem“. Vielmehr nähmen Facebook und Computer einen großen Raum ein, der für andere Aktivitäten fehle.

„Wenn wir die Schule schlecht reden. sind wir schlecht beraten“, meinte Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track. Eine der Ursachen für den erhöhten Druck bei den Kindern sei die Einstellung vieler Eltern, dass die Kinder unbedingt Abitur machen müssten. Dies sei früher anders gewesen. Im ländlichen Bereich seien die Probleme weniger groß als in den Städten, weil die Jugendlichen weniger Alternativen bei der Freizeitgestaltung hätten, berichtete Caroline Schneider, Kirchenkreiskantorin in Osterholz-Scharmbeck: „Die Kinder, die kirchlich orientiert sind, kommen bei uns auch so.“ Nötig sei wohl eine stärkere Fokussierung auf einzelne Interessensbereiche.

In anderen Foren und Workshops ging es viel um die Arbeit in den verschiedensten kirchlichen Einrichtungen, etwa mit Jugendbands oder Seniorenchören. Besonderen Anklang fanden herausragende Projekte zur Musikvermittlung wie der diesjährige Kulturförderpreisträger „Quilisma“, ein Jugendchor aus Springe, oder das Jugendorgelforum Stade. Die Teilnehmenden arbeiteten aber auch praktisch, erfuhren beispielsweise von Christian Fischer aus Tübingen, wie Improvisationen mehr Leben in den Chorgesang hineinbringen können. Wie das klingt, erlebten die BesucherInnen einer der täglichen Mittagsandachten in der Weltkulturerbe-Kirche St. Michaelis.

„Musik ist eine Himmelskunst. Das gilt für die Kirchenmusik noch einmal mehr“, befand Landesbischof Ralf Meister, der anlässlich des Generalkonvents einen Abendmahlsgottesdienst in St. Michaelis leitete. Landeskirchenmusikdirektor Hans-Joachim Rolf, Organisator der Tagung, war mit den Ergebnissen sehr zufrieden: „Es war eine sehr gute Mischung von Vorträgen, Diskussionen und eigenem Musizieren. Ich denke, viele Diskussionen müssen jetzt weitergeführt und vertieft werden.“ Insbesondere auch mit den politischen Stellen. Hier könne die Kirche durchaus selbstbewusst auftreten: „Das brauchen wir!“