„Mit Leib und Seele – wir machen die Musik!“

Nachricht 21. August 2013

Bildungsprojekt startet mit 50 Kindertagesstätten in Niedersachsen

„Im Urwald fliegt ein Papagei – oh welch ein Geschrei!“ Sieben paar Kinderaugen sehen Anna Bauer staunend und gebannt an. Die Musikpädagogin sitzt mit den Ein- bis Dreijährigen und ihren Erzieherinnen auf dem Boden einer Krippe in der Paulus-Gemeinde in Burgdorf. Mit ihrem glockenhellen Sopran fasziniert sie die Kinder. Anna Bauer ahmt mit den Armen den Flügelschlag des Papageien nach und singt weiter: „Papagei sucht Mamagei – oh, welch ein Geschrei!‟ Jetzt ist der Funke übergesprungen und die ersten mutigen Kleinen ahmen den Flügelschlag nach und manche stimmen sogar, unterstützt von ihren Erzieherinnen, in den Refrain ein „... trallala, trallala, was für ein Geschrei!“

Singen und Musik sind gut für Körper, Geist und Seele – auch schon bei den Kleinsten. Die Musikstunde in Burgdorf gehört zum kirchenmusikalischen Projekt „Mit Leib und Seele – wir machen die Musik!“, das vor zwei Wochen nach den niedersächsischen Sommerferien gestartet ist. Die Krippe in Burgdorf ist eine von 50 Kindertagesstätten aus den sechs Sprengeln der hannoverschen Landeskirche, die an dem Projekt teilnehmen.

Im Mittelpunkt stehen das Singen von Liedern und der Einsatz einfacher Klang- und Rhythmusinstrumente. Einmal wöchentlich kommen dazu über einen Zeitraum von zwei Jahren qualifizierte Lehrkräfte der regionalen Musikschulen in die Kindergärten. Auch Krippengruppen, wie die der Burgdorfer Paulus-Gemeinde, nehmen an dem Projekt teil. Parallel zu den Musikstunden in den Kitas finden Fortbildungen für die pädagogischen Fachkräfte statt, in denen vor allem das Singen geübt wird, die aber auch einen Grundkurs in der Liedbegleitung mit der Gitarre und musiktheoretische Grundlagen beinhalten. Außerdem werden Liederhefte und CDs erstellt.

„Musikalische und religiöse Erziehung sind wichtige Elemente für die gesunde Entwicklung von Kindern – auch bei den Kleinsten“, sagt Regina Struwe, Referentin für Kindertageseinrichtungen im Diakonischen Werk der Landeskirche Hannovers: In der Erzieherausbildung komme dies zu kurz, erläutert Struwe: „Deshalb freuen wir uns, dass wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern dieses Angebot machen können.“ Es werde aktuell viel Wert auf den quantitativen Ausbau des Krippenangebotes gelegt. „Uns ist wichtig, dass die Qualität dabei nicht zu kurz kommt!“, betont die Referentin.

Dr. Klaus Grünwaldt, Oberlandeskirchenrat der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, sagt: „Die Landeskirche freut sich über die Zusammenarbeit mit den Musikschulen und ihren qualifizierten Lehrkräften. So kommen Kinder auf eine ihrem Alter entsprechende Weise mit Musik in Kontakt und machen beim Singen wichtige Erfahrungen. Hier wird ein Grundstein für langfristiges Musizieren gelegt. Indem auch die Erzieherinnen im Rahmen des Projektes musikalisch ausgebildet werden, ist für Nachhaltigkeit gesorgt. Das ist uns als Landeskirche wichtig.“

Insgesamt erreicht das musikalische Angebot 3.787 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren von Stade im Norden bis nach Göttingen im Süden Niedersachsens. 82.000 Euro der Gesamtkosten des Projektes werden von der hannoverschen Landeskirche, der Klosterkammer, der Hanns-Lilije-Stiftung sowie vom Diakonischen Werk getragen. Das Land Niedersachsen übernimmt weitere 80.000 Euro. Kooperationspartner ist der Landesverband Niedersächsischer Musikschulen.

„Das Konzept des Gemeinschaftsprojektes ,Mit Leib und Seele – wir machen Musik!‘ hat uns mit seinem Ansatz zur Entwicklung religionspädagogischer und kulturvermittelnder Aspekte überzeugt. Dabei spielt auch die langfristige Wirkung eine Rolle, da das Projekt über zwei Jahre angelegt ist. Deshalb unterstützt die Klosterkammer Hannover diese Arbeit gerne mit 25.000 Euro“, sagt Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover.

Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander, Sekretär der Hanns-Lilje-Stiftung: „Ein hervorragendes Projekt! Singen wird in den Kindertagesstätten neu entdeckt. Nachhaltig werden musikalische Kompetenzen entwickelt, unabhängig von den Voraussetzungen und der Herkunft der Kinder. Rhythmus und der bewusste Umgang mit Sprache fördern das Selbstbewusstsein und den Zusammenhalt der Kinder. Traditionelle und neue Lieder werden gesungen, auch Lieder mit einer existentiellen Dimension, die den Glauben und die Gemeinschaft in einer evangelischen Kindertagesstätte stärken können. Das Fundament für eine wirkungsvolle Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher mit den Eltern bildet dabei die Zusammenarbeit der Kindertagesstätten mit den Musikschulen."