Einladen statt vereinnahmen

Nachricht 24. Juli 2013

Pastor Thorsten Buck hat das Leben auf dem Dorf schätzen gelernt

Pastor Buck
Thorsten Buck ist mit der zweijährigen Marie viel auf dem E-Bike unterwegs. Foto: Wiebke Barth.

Heinde. Seit eineinhalb Jahren hat Thorsten Buck jetzt seine erste Stelle als Pastor der Kirchengemeinde Innerstetal inne. Im ersten Jahr, sagt er, gab es ständig unerwartete Situationen, „da kommen Fragen auf, die man sich vorher nie gestellt hat“. Inzwischen sind ihm die Wege in Heinde, Lechstedt, Listringen, Groß Düngen, Hockeln und Klein Düngen vertraut, er weiß, dass er mit seinem E-Bike jeden Berg hinaufkommt, ohne allzu sehr ins Schwitzen zu geraten. Überhaupt sieht das in Hannover aufgewachsene Großstadtkind das Dorfleben inzwischen mit anderen Augen, freut sich über das Interesse der Menschen aneinander und dass seine Kinder hier eine übersichtliche Schule besuchen können. Er ist nämlich gekommen, um zu bleiben – sonst hätte er auch nicht extra die düsteren Nadelbäume aus dem Pfarrgarten entfernen müssen.

Trotzdem wird ab August für ein halbes Jahr wieder ein anderer Pastor die Amtsgeschäfte im Innerstetal übernehmen. Thorsten Buck nimmt Erziehungsurlaub, damit seine Frau Louisa sich auf ihr Referendariat als Gymnasiallehrerin konzentrieren kann. Die Familie bleibt aber im Pfarrhaus am Kirchberg wohnen. Wenn er mit der vierjährigen Noemi, der zweijährigen Marie und dem fünf Monate alten Matthis im Dorf unterwegs sei, dann gebe es sicher oft Gelegenheit für Gespräche, meint Pastor Thorsten Buck. Viele Gemeindemitglieder fänden eine solche Familienauszeit bei einem Pastor vermutlich merkwürdig, weiß Thorsten Buck. Aber mit der jüngeren Pastorengeneration werde das sicher häufiger vorkommen, zumal viele Frauen den Beruf anstreben.

Er selbst hat die Theologie als seinen Weg erst im zweiten Anlauf entdeckt. Als Jugendlicher habe er zwar mal daran gedacht, Pastor zu werden, „aber dafür war ich nicht mutig genug“. In seiner Familie gab es viele Kaufleute, keine Theologen. Also studierte er Medienwirtschaft, doch das Studium schien ihm zu theoretisch, zu unkritisch, das Ganze letztlich unbefriedigend. Nach der Zwischenprüfung wechselte er zur Theologie und stellte fest, dass seine Familie das recht gelassen aufnahm.

Besonders schön in seinem Beruf habe er bisher die Begleitung der Menschen bei den Lebensfesten wie Taufe, Konfirmation oder Hochzeit empfunden, sagt Thorsten Buck. Die Gestaltung der Trauerfeiern liegt ihm sehr am Herzen, sie sollten dem Verstorbenen gerecht werden und den Hinterbliebenen einen echten Abschied ermöglichen. Rituale sieht er als Hilfe für die Trauernden, ihren Schmerz zuzulassen, den Verlust als Realität anzuerkennen.

Nun stehen die Einschulungsgottesdienst vor der Tür, die er trotz Elternzeit noch feiern will. Dabei legt er Wert darauf, Kindern aus nichtchristlichen Familien nichts aufzuzwingen: „Gottesdienste sollen eine Einladung sein, keine Vereinnahmung.“