Kunstprojekt zum Thema Armut

Nachricht 18. Juli 2013

Hannover (epd). Hannoversche Künstler wollen zusammen mit Migranten, Wohnungslosen und Bewohnern von sozialschwachen Stadtvierteln den Sommer über an einem Kunstprojekt zum Thema Armut arbeiten. Über die Kunst würden Menschen zusammenfinden und Gräben in der Gesellschaft könnten überwunden werden, sagte der Diakonie-Direktor der hannoverschen Landeskirche, Christoph Künkel, am Freitag bei der Vorstellung des Vorhabens. "In Kunstwerken kann jedermann seine Lebenswirklichkeit ausdrücken und die eines anderen erkennen." Damit besitze Kultur eine ähnlich verbindende Kraft wie der Sport oder gemeinsames Essen.

Die Diakonie in Niedersachen fördert das Projekt "Armut? Das ist doch keine Kunst!" zunächst mit 5.000 Euro, die Caritas im Bistum Hildeheim gibt 4.000 Euro. Propst Martin Tenge bedauerte, dass meist zuerst der Etat von Kulturschaffenden bei Sparrunden gekürzt werde. "Dadurch entsteht der Eindruck, dass man sich Kunst leisten kann - oder eben auch nicht." Mit dem Projekt solle gezeigt werden, dass Kunst stattdessen Ausdruck des Menschseins sei. Unter anderem sollen Bilder entstehen, die ab dem 24. Oktober öffentlich ausgestellt werden. Begleitend sind Lesungen und Musikabende geplant.

Klaus-Dieter Gleitze von der beteiligten Künstlergemeinschaft "Schuppen 68" warb um weitere Unterstützung für das Projekt. Gleichzeitig unterstrich er, dass Kunstschaffende oftmals in prekären Einkommenssituationen leben: "Künstler sind dreimal so stark von Armut betroffen wie der Durchschnitt." Die Angst vor dem sozialen Absturz sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagte der Künstler: "In Zeiten von Hartz IV ist es keine Kunst, arm zu werden."

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