Landesbischof Meister verteidigt evangelisches Familienpapier

Nachricht 21. Juni 2013

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat das Positionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Familie verteidigt. "Es wurde höchste Zeit für eine neue Orientierungshilfe zur Familie", sagte Meister am Freitag dem epd in Hannover. "Das ist eine Wortmeldung im protestantisch-freiheitlichen Geist, die die Ehe keineswegs schwächt, sondern ihre zentrale Rolle im Familienbild unserer Gesellschaft stärken wird."

In dem Grundsatzpapier rufen die Protestanten dazu auf, alle Familienformen anzuerkennen und zu stärken. Konservative evangelische Christen kritisieren das. Sie sehen dadurch das bürgerliche Ehe- und Familienverständnis abgewertet. Auch der katholische "Familienbischof" Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte gemahnt, die Orientierungshilfe führe im Ergebnis zu einer sehr starken Relativierung der lebenslang geübten Treue in Ehe und Familie.

Bischof Meister betonte dagegen: "Unsere Gesellschaft braucht verlässliche Gemeinschaften mit Menschen, die Verantwortung übernehmen". Dies sei die zentrale Forderung der Orientierungshilfe: "Dabei erkennt sie an, dass Lebensformen wie eine Patchworkfamilie oder homosexuelle Partnerschaften diese Verlässlichkeit genau so zeigen können wie eine klassische Ehe."

Die EKD hatte das Familienpapier am Mittwoch vorgelegt. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sagte, alle Familienformen verdienten Respekt, auch die eingetragene Lebenspartnerschaft. Aus der Bibel lasse sich zudem nicht die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau herleiten, die Jahrhunderte lang die Ehe und das Familienbild geprägt habe. Entscheidend seien vielmehr Verbindlichkeit, Dauer, Vertrauen, Gleichberechtigung und die Sorge füreinander.

Die Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland als Buch: "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken". Gütersloh 2013. ISBN: 978-3-579-05972-3

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