Ministerpräsident in Loccum

Nachricht 07. Juni 2013

Drei Fragen an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zu Kirche, Staat und Kloster Loccum

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat am Sonnabend seinen Antrittsbesuch im evangelischen Kloster Loccum bei Nienburg gemacht. Das 1163 gegründete Zisterzienser-Kloster feiert in diesem Jahr sein 850-jähriges Jubiläum.

epd: Loccum ist ein besonderer Ort für die evangelische Kirche. Ist es auch ein besonderer Ort für das Land Niedersachsen?

Weil: Loccum steht für das mehr als 50-jährige Zusammenwirken zwischen den evangelischen Kirchen und dem Land Niedersachsen. Der Loccumer Vertrag von 1955 zwischen dem Land und den fünf evangelischen Landeskirchen gilt unverändert bis heute. Er war und ist richtungweisend für andere staatskirchenrechtliche Vertragswerke. Die regelmäßigen Treffen zwischen den evangelischen Landeskirchen und der Landesregierung belegen, dass auch die Freundschaftsklausel des Loccumer Vertrags bei uns gelebt wird. Der Epiphaniasempfang im Kloster Loccum ist traditionell der politische Jahresanfang in Niedersachsen. Die Evangelische Akademie in Loccum strahlt weit über Niedersachsen hinaus, sie setzt auch immer wieder fruchtbare Akzente für die politische Arbeit.

epd: Wie sehen Sie die Rolle der evangelischen Kirche in Niedersachsen?

Weil: Das Verhältnis zwischen dem Land und den Kirchen ist traditionell von einer freundschaftlichen Atmosphäre und von tiefem gegenseitigem Vertrauen geprägt. Gemeinsam nehmen das Land und die Kirchen Verantwortung wahr für die Menschen in Niedersachsen. Staatliches und kirchliches Handeln berühren und überschneiden sich vor allem in Bereichen des sozialen Lebens, des Bildungs- und Kulturwesens und in der Vermittlung ethischer Grundwerte an die nächste Generation. Die evangelische Kirche hat sich mit besonderem Augenmerk auch der Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen gewidmet. Ich schätze die Kirchen als Ratgeber und auch als Mahner.

epd: Wünschen Sie sich eine einheitliche evangelische Kirche im Bundesland statt wie bisher fünf Einzelkirchen?

Weil: Die Organisation der Kirchen in Niedersachsen ist eine innere Angelegenheit der Kirchen selbst, die ich deshalb auch nicht kommentieren möchte. In Niedersachsen leben und arbeiten wir mit den fünf Kirchen sehr gut zusammen. Wichtig für das Land ist dabei, dass ein autorisierter Ansprechpartner aller evangelischen Kirchen zur Verfügung steht. Die Konföderation der Kirchen bietet seit vielen Jahren hierfür die besten Voraussetzungen.

epd-Gespräch: Michael Grau

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