Forscher: Heimvolkshochschulen wichtig für die Zukunft

Nachricht 25. April 2013

epd-Gespräch: Stefan Korint

Hannover (epd). Ganzheitliche Bildungseinrichtungen wie Heimvolkshochschulen werden laut Fachleuten in Zukunft immer wichtiger. Bei einem Bildungsangebot fernab des großstädtischen Alltags setzten sich Menschen stärker mit bestimmten Fragen auseinander als bei anderen Lernprozessen, sagte der Bildungsforscher Falko von Ameln im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Psychologe stellte am Freitag in Hannover seine Studie zu den 23 niedersächsischen Heimvolkshochschulen vor.

Von Ameln zufolge könnten Bürger sich in diesen Einrichtungen intensiv mit zukunftsweisenden gesellschaftlichen Fragen beispielsweise zu nachhaltigem Wirtschaften oder "Inklusion" befassen. "Über diese Themen denkt man nicht kurz nach und dann ist alles klar", sagte der Psychologe. "Man braucht viel Zeit und Ruhe bei der Auseinandersetzung mit solchen Fragen."

Zu den wichtigen Themen zählt der Bildungsforscher auch die zukünftige Vereinbarkeit von Ökologie und Wirtschaft oder den Strukturwandel in der jeweiligen Region. "Diese Fragen sind jetzt schon bedeutend, werden in Zukunft aber noch viel wesentlicher", sagte von Ameln.

Die derzeitige Finanzkrise zeige, dass zudem auch politische Bildung wieder notwendiger werde. Der Themenvielfalt entsprechend kämen auch die Teilnehmer aus allen Gesellschaftsschichten. "Vom Lehrer bis zum Arbeiter und vom Studenten bis zum Politiker kann man dort fast alle Gruppen treffen", sagte von Ameln.

Zwar gehe der Trend in der Weiterbildung zu kürzeren Veranstaltungen, die häufig mit berufsrelevanten Zertifikaten abgeschlossen werden. Doch das Konzept von Heimvolkshochschulen "Leben und Lernen unter einem Dach" für die intensive Beschäftigung mit wichtigen Zukunftsfragen besser geeignet, betonte von Ameln. "Dazu gehört etwa, dass die Teilnehmer auch in ihrer Freizeit mit den Dozenten diskutieren können."

Die niedersächsischen Heimvolkshochschulen seien sehr gefragt. "Viele Heimvolkshochschulen sind auf lange Zeit ausgebucht", sagte der Bildungsforscher. Nach Angaben des Landesverbandes sind die Einrichtungen mit rund 368.000 Teilnehmertagen im Jahr einer der wichtigsten Bildungsanbieter im Bundesland.

Trotzdem sei die niedersächsische Situation mit 23 Heimvolkshochschulen fast schon luxuriös, sagte von Ameln. In anderen Bundesländern gebe es deutlich weniger Einrichtungen. Heimvolkshochschulen werden von verschiedenen Organisationen getragen. So gibt es Häuser in gewerkschaftlicher, in kirchlicher oder in freier Trägerschaft.

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