Bunte und friedliche Mahnwache für getöteten Streitschlichter

Nachricht 23. März 2013

Kirchweyhe/Kr. Diepholz (epd). In Kirchweyhe bei Bremen haben am Sonnabend erneut knapp 1.000 Menschen mit einer Mahnwache ihre Trauer über den gewaltsamen Tod des 25-jährigen Streitschlichters Daniel S. zum Ausdruck gebracht. Sie wollten damit zugleich ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. Das Verwaltungsgericht Hannover hatte am Freitag einer Klage des bekannten Neonazis Christian Worch für die Partei "Die Rechte" stattgegeben, die zeitgleich zur Mahnwache eine Demonstration vor dem Rathaus angemeldet hatten. Starke Polizeikräfte hielten beide Gruppen voneinander getrennt.

Daniel S. wollte vor anderthalb Wochen am Bahnhof des Ortes einen Streit schlichten und wurde dabei zusammengeschlagen. Der junge Mann starb in einem Bremer Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 20-jähriger Jugendlicher türkischer Abstammung, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Mordverdacht. In "stillen Mahnwachen" hatten bereits am vergangenen Wochenende mehr als 1.500 Menschen an Daniel S. erinnert.

Pastor Albert Gerling-Jacobi erinnerte an Daniel S. und dessen Familie. Er kritisierte scharf den Aufmarsch von Neonazis in dem Ort: "Daniels Tod wird missbraucht, um unsere Demokratie zu untergraben und um Hass zu sähen, zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe." Daniel sei nicht gestorben, weil er Deutscher war, "sondern wegen unvorstellbarer Brutalität".

Landrat Cord Bockhop (CDU) würdigte den getöteten Streitschlichter als Vorbild. "Daniel hat durch beherztes Eingreifen in dem Streit Bürgermut gezeigt, wie wir ihn uns wünschen." Die Tat habe aber auch gezeigt, dass Zivilcourage mit Gefahr verbunden sei. Daniel habe sich entschieden einzugreifen. Darum habe er es "nicht verdient, vor den Karren von Extremisten gespannt zu werden - weder von rechts noch von links". Es sei Aufgabe der Politik, "menschenverachtendes braunes Gedankengut zu verbieten".

Bürgermeister Frank Lemmermann (SPD) zeigte sich erfreut, dass trotz eisiger Kälte so viele Menschen aller Generationen aus Weyhe und der Umgebung zur Mahnwache gekommen seien. "Weyhe ist bunt, nicht braun", sagte er. Die knappe 1.000 Teilnehmer antworteten, in dem sie mit bunten Papierbögen winkten.

Der Moderator des örtlichen Runden Tisches gegen Rechts und für Integration, Pastor Holger Tietz, bedauerte am Rande der Mahnwache die Kundgebung der Rechtsextremen. Zugleich sagte er: "Es gilt die Versammlungsfreiheit. Wir müssen dies als Demokraten ertragen." Deutlich gekennzeichnete Konfliktmanager suchten mit den Demonstrierenden das Gespräch.

Im weiten Umkreis um den Ort kontrollierte die Polizei verdächtige Personen nach Waffen. Nach Angaben der Polizei verlief am Nachmittag die Kundgebung und der Demonstrationszug der etwa 80 Neonazis ruhig. Im Vorfeld seien bei der Anreise mehrere verbotene Gegenstände beschlagnahmt und Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

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