Europas Protestanten feiern 40. Geburtstag ihrer Einheit

Nachricht 16. März 2013

Steinmeier: "Leuenberger Konkordie" Vorbild für europäische Einigung

Berlin/Braunschweig (epd). Mit einem Festgottesdienst im Berliner Dom haben die Protestanten am Sonntag ihre vor 40 Jahren beschlossene Einheit gefeiert. Am 16. März 1973 wurde in der Nähe von Basel die "Leuenberger Konkordie" verabschiedet. Damit wurde die rund 450-jährige Trennung der europäischen lutherischen und reformierten Kirchen im Abendmahl beendet. In seiner Predigt würdigte der Braunschweiger evangelische Bischof Friedrich Weber die Konkordie als "einzig funktionierendes Ökumene-Modell". SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bezeichnete sie als Vorbild auch für die europäische Einigung.

"Es gibt auffällige Parallelen", sagte Steinmeier. Dabei mahnte der ehemalige Außenminister, für ein geeintes Europa einzutreten. "Heute grassiert ein ganz besonderer Spaltpilz, der gefährlich ist, wenn er sich tiefer in unser Denken und in unsere Sprache hineinfrisst." In den Ländern des europäischen Nordens wachse die Sorge, nur Zahlmeister zu sein, im Süden dagegen "über ein als unterdrückend empfundenes deutsches Politikdiktat", sagte er. Wenn Europa so wahrgenommen würde, befeuert durch Populisten, drohe aus der Wirtschaftskrise eine Demokratiekrise zu werden. "Spätestens dann sollten wir die Alarmglocken auch hören", mahnte er.

Steinmeier lobte dabei das Eintreten der evangelischen Kirche für die Einheit Europas. Er verwies auf das im vergangenen Oktober vorgestellte Diskussionspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in dem die Protestanten mahnen, Europa als mehr als nur Währungsunion wahrzunehmen. Dieses Papier sei hellsichtiger als viele Papiere der aktuell verantwortlichen Politik, sagte Steinmeier. Er forderte die Kirchen dazu auf, sich auf Grundlage der "Leuenberger Konkordie" weiter für Europa als Friedens- und Wertegemeinschaft zu engagieren.

Der Braunschweiger Weber, der auch Präsident der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa ist, erinnerte an die Zeit vor der Unterzeichnung der Konkordie: "Lutherische, reformierte, unierte und methodistische Christen feierten nicht miteinander Gottesdienst und Abendmahl, anerkannten nicht Taufe und Ordination, warben sich wechselseitig die Mitglieder ab."

Heute sei das anders. Die Gemeinschaft sei für Christen heute auch Herausforderung bei der Suche nach angemessenen Beziehungen im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben, ergänzte Weber. An dem Gottesdienst nahmen auch der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sowie die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann und der Berliner Bischof Markus Dröge teil.

Zur Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa gehören heute 107 Mitgliedskirchen mit geschätzten 50 Millionen Mitgliedern, darunter auch Methodisten und vorreformatorische Kirchen wie Waldenser und Böhmische Brüder. Protestanten sind in allen Kirchen beim Abendmahl im Gottesdienst willkommen. Zudem legt die Gemeinschaft den Grundstein dafür, dass Pfarrer in Kirchen anderer konfessioneller Prägung predigen können. Der Streit über das Verständnis des Abendmahls, den die Protestanten vor 40 Jahren beigelegt haben, gilt heute als größtes Hindernis bei der Ökumene zwischen evangelischer und katholischer Kirche.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Info: Leuenberger Konkordie

Braunschweig (epd). Für die innerprotestantische Ökumene ist die Leuenberger Konkordie ein Meilenstein. Am 16. März 1973 verständigten sich reformatorische Kirchen mit unterschiedlichen Bekenntnissen auf ein Dokument, das die seit der Reformationszeit bestehende Kirchentrennung beendet und Kirchengemeinschaft zwischen lutherischen, reformierten und unierten Kirchen möglich macht.

Ein gemeinsames Verständnis des Evangeliums ist nötig, alles andere ist nicht kirchentrennend, lautet ein Kernsatz der Konkordie. Seither können evangelische Christen unterschiedlicher Konfession miteinander Abendmahl feiern. Die Unterzeichner der Konkordie gewähren sich neben der Abendmahls- auch Kanzelgemeinschaft. Die Unterzeichnerkirchen erkennen gegenseitig Ordination und Ämter an: Reformierte Pfarrer können in lutherischen Kirchen predigen, lutherische Pastoren Dienst in reformierten Kirchen tun.

Stimme der Leuenberger Konkordie ist die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. Präsident ist der Braunschweiger evangelische Bischof Friedrich Weber. Der Dachverband von mehr als 100 evangelischen Kirchen in Europa organisiert regelmäßig theologische Lehrgespräche und erarbeitet Positionen zu geistlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Zuletzt erschienen Empfehlungen zur Ausbildung von Pfarrern und ein Papier zu kirchlichen Reformprozessen.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen