3. Treffen Pilgernetzwerk Norddeutschland

Nachricht 13. März 2013

Die Stille im Lauten, das Heilige im Profanen hat der Bremer Dom-Pastor Henner Flügger am Mittwoch auf dem Stadtpilgerweg in Osnabrück entdeckt. Zum dritten, ökumenischen Netzwerktreffen der Pilgerweg-Engagierten in Norddeutschland hatte der Hannoversche Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt erstmals nach Osnabrück eingeladen. Und diesmal ging es nicht nur um Pilgerwegfragen, sondern die 12 Teilnehmer erlebten den neuen Osnabrücker Stadtpilgerweg am eigenen Leib. Die Schauspielerin und Lektorin Daniela Lengler aus Osnabrück führte erstmals eine Gruppe auf dem Weg durch die Innenstadt.

Die quirlige, 1,60 Meter große Frau mit Wollmütze und langem Mantel sprach nicht viele Worte und die Pilgerexperten mussten auf dem Weg gänzlich schweigen. "Auf der Spur des Friedens" zeigte sie heilige Räume, wie ein Prinzengrab in der Katharinenkirche oder den Kreuzgang im Dom, aber auch weltliche Orte, wie die Hasebrücke mit den Hochzeitsschlössern am Geländer oder den Tränenbrunnen in der "Grossen Straße". Sie las ein Psalm- oder Jesuswort und stellte eine Impulsfrage zum Thema Frieden: "Wie sieht für mich ewiger Friede aus?" fragte sie am Grab. "Wo wird mein Friede durch Besitz und Konsum bedroht?" fragte sie im Geschäftsviertel am Brunnen der Kaufmannschaft. Nach dem Impuls blieb sie noch an der Station einige Minuten stehen, sodass die Teilnehmer das Wort vor Ort bedachten. "Besinnung mitten in der Stadt finde ich spannend" erläuterte sie später, warum sie sich von Pilgerpastorin Amélie Gräfin zu Dohna zur Stadtpilgerweg-Begleiterin ausbilden ließ.

Die Teilnehmer hatten den einstündigen Schweigeweg unterschiedlich erlebt. "Mich hat das Laute gestört" oder "ich hatte Mühe, den Touristen in mir auszublenden" sagten die einen. Andere konnten sich im Trubel gut konzentrieren und fühlten sich geistlich angesprochen. Pastorin zu Dohna, die den Weg entwickelt hat, meinte: "Es ist eine Stärke des Stadtpilgerweges, dass das Schweigen und Nachdenken durch die Umgebung nicht wie im Wald unterstützt wird." Dies sei eine gute Alltagsübung, überall die Verbindung zu Gott zu suchen.

Brigitte Neuhaus, Abteilungsleiterin im Osnabrück-Marketing und -Tourismus meinte: "Spirituelles Reisen wird immer ein Nischenprodukt bleiben". Die Zielgruppe sei mittleren Alters, eher weiblich, zu 40 Prozent mit Realschulabschluss und zu 35 Prozent Akademiker und bleibe ein bis drei Übernachtungen. Das Leitmotiv des Stadtpilgerweges "Spur des Friedens" passe gut zur Friedensstadt Osnabrück. Das relativ abstrakte Thema "Frieden" ziehe für den Tourismus aber nicht besonders gut. Man brauche Infos über den spirituellen Kern des Pilgerangebotes und über Übernachtungsmöglichkeiten in den Gemeinden vor Osnabrück auf dem Jakobsweg. Ein Anknüpfungspunkt sei der Trend zu "selfness", Selbstfindung und sich etwa Gutes zu tun im Urlaub. Die Kirchenleute regten an, den Stadtpilgerweg als eine Möglichkeit für eine alternative Stadtführung ausdrücklich mit in das touristische Angebot aufzunehmen.
Stadtsuperintendent Friedemann Pannen meinte: „Der Stadtpilgerweg verfremdet Vertrautes und lässt uns die Stadt mit ihrem Treiben anders sehen. Man kann die eigene Werthaltung kritisch reflektieren. Gängiges wurde auch durch Jesu Pilgerweg nach Jerusalem umgewertet.“

Beim kollegialen Austausch berichtete Christian Frank vom Landeskirchenamt Hannover von den Vorbereitungen für Pilgerwegstand beim Kirchentag in Hamburg Anfang Mai. Pastorin Sabine Kullik aus Minsen stellte ihr neues "Tagebuch für den Wangerländer Pilgerweg" mit Texten, Bildern und Platz für eigene Notizen vor. Auf dem Hümmlinger Pilgerweg im Emsland ist ein Karfreitags-Nachtpilgern geplant. Auf dem Jakobsweg zwischen Bremen und Osnabrück erwartet man Ende Mai eine große, gemeinsame Pilgerwanderung von Behinderten und Nichtbehinderten. Am 11. Mai soll es ein Sternpilgern nach Loccum geben. Das vierte Pilger-Netzwerktreffen soll am 6. März 2014 voraussichtlich im Dom in Bremen stattfinden.

Gunnar Schulz-Achelis, Beauftragter für Presse- und Öffentllichkeitsarbeit im Sprengel Osnabrück, Gunnar.Schulz-Achelis@evlka.de