Experten: Ethische Konflikte werden für junge Menschen immer wichtiger

Nachricht 05. März 2013

Hannover (epd). Ethische Konflikte und ihre Lösungsstrategien spielen Fachleuten zufolge für Schüler und Studenten eine große Rolle. Sich ein fundiertes moralisches Urteil bilden zu können, werde künftig im medizinischen, aber auch im wirtschaftlichen und politischen Bereich wichtiger. "Das Interesse an ethischen Fragen ist deswegen bei den Schülern auch sehr hoch", sagte der Hildesheimer Berufsschulpastor Peter Noß-Kolbe am Dienstag am Rande einer Diskussion der "Ethik-Universität" in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Die Schüler müssten im Unterricht lebensnah an ethische Zwangslagen herangeführt werden, erläuterte Noß-Kolbe, der an zwei Hildesheimer Berufsschulen Religion unterrichtet. Konkrete Fallbeispiele und Rollenspiele hätten den größten Lerneffekt, da die Schüler eigene Lösungsvarianten entwickeln müssten. Themen seien Sterbehilfe und Organspende, aber auch die Präimplantationsdiagnostik (PID). "Es ist hilfreich, über solche Situationen nachzudenken, bevor man in sie hinein gerät", sagte Noß-Kolbe.

Die hannoversche Palliativärztin Thela Wernstedt beobachtet auch bei Medizinstudenten eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema Ethik. "Da hat sich eine Menge bewegt", sagte Wernstedt, die für die SPD im Niedersächsischen Landtag sitzt. Die Studenten könnten die medizinisch-moralischen Konflikte der Gegenwart und Zukunft mittlerweile sehr gut erkennen. Etwa im Umgang mit schwer kranken Patienten müssten Ärzte gemeinsam mit Patienten und Angehörigen oft ethisch schwierige Entscheidungen treffen.

Auch in politischer Hinsicht ist es Wernstedt zufolge von Vorteil, wenn Menschen ihre Meinung ethisch begründen können. Internet und Bürgerinitiativen zeigten, dass sich viele Frauen und Männer an politischen Prozessen beteiligten. "Heute mischen sich die Bürger mehr ein, sie protestieren und schicken Petitionen", sagte die Ärztin. Es sei deshalb auch besser, wenn junge Leute ethisch geschult seien.

Die Diskussionsrunde zum Thema "Ethikkompetenz" war Bestandteil des Abschlusssymposiums der zweiten Reihe der "Ethik-Universität" an der Medizinischen Hochschule Hannover. Diese ist ein Projekt verschiedener Institute, an dem Schüler von Gymnasien, Krankenpflegeschulen und berufsbildenden Schulen teilnehmen können.

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