Sozialexperte: Aktionäre sollten nicht Managergehälter kontrollieren

Nachricht 04. März 2013

Hannover (epd). Der evangelische Sozialexperte Gerhard Wegner sieht die Begrenzung von Managergehältern durch Aktionäre mit Skepsis. Das Schweizer Votum mache damit eben diejenigen zu Kontrolleuren, die durchaus selbst Interesse an hohen Vergütungen haben könnten, sagte der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wenn die Aktionäre glauben, dass Aktienwert und Dividende steigen, je mehr sie den Managern zahlen, dann werden sie mehr zahlen."

Die Managergehälter in börsennotierten Unternehmen seien um ein Vielfaches zu hoch und unter ethischen Gesichtspunkten nicht zu vertreten, betonte der Direktor: "Ich habe aber Zweifel, ob sich so etwas gesetzlich regeln lässt." Die EU-Regeln für Boni zeigten derzeit, dass solche Gesetze auch unterlaufen werden könnten. "Ich denke, dass es eine Sache der Zivilgesellschaft ist, die Diskussion nicht abreißen zu lassen und dadurch moralischen Druck auszuüben."

Durch moralischen Druck könnten auch die Beschäftigten eines Unternehmens Einfluss nehmen. Das habe sich etwa bei Volkswagen gezeigt. Dort seien nach dem Aufschrei über das 17-Millionengehalt des Chefs Martin Winterkorn die Zahlungen an ihn deutlich reduziert worden.

Die Evangelische Kirche in Deutschland vertrete grundsätzlich den Standpunkt, dass sich das Gehalt eines Managers danach berechnen sollte, was er für Arbeitsplatzsicherheit und gute Arbeitsbedingungen in seiner Firma tut.

Anders als die Schweizer Kirchen, die auch die Initiative zum Referendum unterstützt haben, verzichte man aber auf konkrete Forderungen. Die Kirchen im Nachbarland hätten vor etwa drei Jahren vorgeschlagen, dass ein Manager höchstens 40 mal so viel verdienen dürfe, wie etwa eine Reinigungskraft. "Das scheint mir gar nicht mal so unrealistisch", sagte Wegner. Für den Mittelstand dürften solche Zahlen allerdings nicht gelten.

epd-Gespräch: Martina Schwager

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