Aussöhnung als Lebensmission

Nachricht 03. März 2013

Oldenburg und Mainz erinnern an den jüdischen Rabbiner Leo Trepp

Er war jüdischer Rabbiner, Holocaust-Überlebender und Professor an einer evangelisch-theologischen Fakultät im Nachkriegs-Deutschland. Der christlich-jüdische Dialog hat dem vor 100 Jahren in Mainz geborenen Leo Trepp viel zu verdanken.

Oldenburg/Mainz (epd). Seine Eltern überlebten die Nazi-Barbarei nicht; ihm selbst gelang buchstäblich in letzter Minute die Flucht in die USA. Dort, im Exil, wurde der letzte oldenburgische Vorkriegs-Landesrabbiner Leo Trepp zu einem international renommierten jüdischen Theologen - und zu einem Vorkämpfer für die Aussöhnung zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland. Am Montag, 4. März, wäre der 2010 im Alter von 97 Jahren verstorbene Trepp 100 Jahre alt geworden.

Die Heilige Schrift lehre, dass Kinder nicht für die Sünden ihrer Väter sterben dürften, lautete eine Lebensmaxime des gebürtigen Mainzers. "Immer mehr Deutsche teilen die Ansicht, dass die Nachgeborenen keine Schuld an den Verbrechen der Vorfahren haben, aber dass jeder Deutsche für den Kampf gegen den Antisemitismus verantwortlich ist", sagte er einige Jahre vor seinem Tod.

Die Ruinen seiner ausgebombten Heimatstadt hatte Trepp erstmals in den 1950er Jahren wieder gesehen, seither kam er regelmäßig nach Deutschland, um den Deutschen das Judentum nahezubringen. Immer wieder kehrte er nach Oldenburg zurück und begleitete den Aufbau der neuen jüdischen Gemeinde. Oldenburgs Oberbürgermeister Schwandner würdigte den Theologen als Wegbereiter eines neuen Dialogs zwischen Juden und Christen nach dem Holocaust: "Er ist hierher zurückgekommen, er hat Versöhnung gelebt und geholfen, mit dem Vergangenem umzugehen zu lernen."

"Vielleicht bin ich der einzige Rabbiner der Welt, der Mitglied der evangelisch-theologischen Fakultät einer Universität ist", sagte Trepp im Jahr 2005 bei einer Ansprache im Mainzer Landtag, "das ist herrlich." Den Wandel der christlichen Theologie nach Auschwitz und den Verzicht der Kirchen auf antijüdische Ressentiments bezeichnete er als "eines der Wunder des 20. Jahrhunderts". Seine Zuhörer zog er nicht nur mit seiner tiefen und klaren Stimme in seinen Bann, sondern auch dank des Umstands, dass er der letzte noch lebende Rabbiner war, der bereits vor dem Holocaust in Deutschland amtiert hatte.

Trepp wurde 1913 als Sohn eines tief religiösen Mainzer Papierhändlers geboren. Schon als Schüler erlebte er den allgegenwärtigen Antisemitismus. Zum Zeitpunkt von Hitlers Machtübernahme war er Student am Berliner Rabbinerseminar. Nach der Ordination kam er ab 1936 als Landesrabbiner nach Oldenburg, wurde aber bereits 1938 nach der Reichspogromnacht vorübergehend im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Obwohl er dort bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte und fest damit rechnete, von einem Erschießungskommando ermordet zu werden, kam er wieder frei.

Weil der britische Oberrabbiner das rettende Visum für ihn organisieren konnte, gelangte Trepp mit seiner Frau über London in die USA, wo er später mehrere Jahrzehnte lang in Kalifornien als Gemeinderabbiner und Professor tätig war. Versuche, auch seinen Eltern die Flucht zu ermöglichen, scheiterten dagegen. Sein Vater starb noch in Mainz, die Mutter wurde in ein Todeslager deportiert. Nach dem Krieg erklärte der Rabbiner, wie unglücklich er sei, dass Deutschland nicht mehr seine Heimat sein könne.

Für sein Engagement erhielt Trepp eine Vielzahl von Ehrungen, neben dem Bundesverdienstkreuz war er Ehrenbürger von Oldenburg und Ehrensenator des Mainzer Gutenberg-Universität. Zu seinem 100. Geburtstag hat Oldenburg eine Straße nach ihm benannt - es ist die, an der auch die Oldenburger Synagoge liegt.

Von Karsten Packeiser (epd)

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