Gazale Salame ist mit ihren Kindern zurück in Deutschland

Nachricht 02. März 2013

Vor acht Jahren wurde die Schwangere Gazale Salame mit ihrer jüngsten Tochter abgeschoben. Ihr Mann blieb mit den älteren in Töchtern in Hildesheim. Sonntagnacht nahm sich die Familie erstmals unter Tränen in die Arme.

Hannover/Hildesheim (epd). Acht Jahre hat die getrennte Flüchtlingsfamilie auf diesen Moment gewartet. Umringt von Kameras und Mikrofonen nehmen sie sich in der Nacht zum Sonntag am Flughafen Hannover unter Tränen endlich in die Arme. "Ich bin einfach nur froh", sagt die 2005 in die Türkei abgeschobene Gazale Salame (31). Ihr Mann Ahmed Siala (33) umarmt erstmals seinen in der Türkei geborenen Sohn Gazi (7) und seine neunjährige Tochter Schams.

Salame war 2005 als Schwangere gemeinsam mit ihrer damals einjährigen Tochter abgeschoben worden. Ihr Ehemann Siala blieb mit den älteren Töchtern Amina (15) und Nura (14) im Landkreis Hildesheim. Er entging der Abschiebung nur durch einen Zufall, weil er zu diesem Zeitpunkt gerade die Mädchen zur Schule brachte. Durch ihren ungesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland konnten die drei Salame und die jüngeren Kinder nicht in der Türkei besuchen. Sie befürchteten, nicht zurückkehren zu dürfen. Der Fall der getrennten Familie sorgte bundesweit für Aufsehen.

Zum Flughafen sind in dieser Nacht neben Niedersachsens neuem Innenminister Boris Pistorius (SPD) weitere Familienmitglieder und Unterstützer mit Blumen und Willkommens-Transparenten gekommen. Die Unterstützer hatten vor deutschen Gerichten, der niedersächsischen Härtefallkommission und Appellen an Politiker jahrelang für ein gemeinsames Leben in Deutschland gekämpft. Der Landtag beschloss im vergangenen Dezember einstimmig eine Resolution für die Rückkehr der Kurdin.

Für den Unterstützerkreis begrüßt der evangelische Superintendent Helmut Aßmann die Kurdin nach ihrer Ankunft mit Blumen und Schokolade für die Kinder. Er selbst könne kaum fassen, dass Gazale endlich in Deutschland sei, sagte der Theologe. "Nach acht quälend langen, schmerzlichen Jahren der Trennung hat doch die Hoffnung und die Beharrlichkeit gesiegt."

Abseits der Mutter unter dichtem Gedränge der Journalisten steht die 15-jährige Amina. Die letzten acht Jahre habe sie immer versucht ihre Trauer und Tränen zu unterdrücken. "Jetzt überrollt es mich", schluchzt sie. Erst langsam müsse sie sich wieder an ihre Mutter und ihre Geschwister gewöhnen. "Wir sind uns fremd geworden."

Auch Salame kämpft gegen die Tränen. "Jetzt bin ich ja da", sagt sie, während sie ihrer Tochter sanft über die Haare streicht. In der Türkei hat die Mutter mit ihren zwei jüngsten Kindern in einem Armenviertel bei Izmir gelebt. "Die letzten acht Jahre waren die Hölle", sagt sie mit bebender Stimme. Dadurch sei sie krank geworden. Vor der Abschiebung hatte sie 17 Jahre in Deutschland gelebt.

Währenddessen lässt Ahmed Siala seinen gerade erst getroffenen Sohn Gazi nicht mehr los. "Es ist unbeschreiblich." So ein Tag könne beweisen, dass es nicht schwer ist, eine Familie zu vereinen.

Innenminister Pistorius kündigt unterdessen eine andere Flüchtlingspolitik an. "Trennungen von Familien finde ich ganz und gar unerträglich." Bei Menschen die bereits lange im Land lebten, müsse nach Möglichkeit eine Abschiebung vermieden werden.

Eine Umarmung bleibt in dieser Nacht jedoch aus. Siala und Salame wahren Distanz. "Wir haben versprochen, uns Zeit zu geben", sagt Siala. Nur für ein gemeinsames Foto stellen sie sich nebeneinander auf. Näher kommen sie sich nicht.

Die Familie braucht jetzt nach Ansicht von Kai Weber vom niedersächsischen Flüchtlingsrat vor allem Zeit und Freiräume. "Keine Beziehung lässt sich über acht Jahre aufrechterhalten." Dafür haben die Unterstützer für Salame und den jüngsten Kindern eigens eine Wohnung in Hildesheim angemietet und eingerichtet.

So trennt sich die wiedervereinte Familie nach einer Stunde wieder am Flughafen. Noch am selben Tag wollen sie sich aber wiedersehen. "Jetzt will ich erstmal meine Kinder genießen", sagt Salame strahlend.

Von Charlotte Morgenthal (epd).

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