Bewusstsein für Armut stärken

Nachricht 19. Januar 2013

Hannover/Hamburg (epd). Kirche und Diakonie müssen nach Ansicht des Kölner Politikwissenschaftlers Christoph Butterwege das öffentliche Bewusstsein für Armutsrisiken stärken. "Momentan verfestigt sich die Armut und breitet sich in die Mitte der Gesellschaft hinein aus", sagte der Armutsforscher der am Sonntag in Hannover und Hamburg erscheinenden "Evangelischen Zeitung". Diese Gesellschaftsentwicklung würde jedoch nicht von den Parteien wahrgenommen und bekämpft.

In Deutschland sei das Armutsbild oft geprägt von der Not und dem Elend in Entwicklungsländern, sagte Butterwege. Viele Bürger übersähen ähnliche Fälle "vor der eigenen Haustür". Oft würden Betroffene zudem durch angebliche Alkoholprobleme oder Faulheit selbst für ihre Situation verantwortlich gemacht.

Diakonie und Kirche müssten deshalb auch Vorurteilen und möglichen Diskriminierungen betroffener Menschen entgegenwirken, sagte der Politikwissenschaftler. "Nur wenn man Armut als gesellschaftliches Problem erkennt und ihre strukturellen Ursachen durchschaut, laufen individuelle Schuldzuweisungen ins Leere."

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