Friedhöfe: das "Gedächtnis der Stadt"

Nachricht 11. Januar 2013

Osnabrück (epd). Ehemalige Friedhöfe können nach Ansicht des Landschaftsarchitekten Jürgen Milchert als dauerhaftes "Gedächtnis" einer Stadt fungieren. Das gelte auch, wenn die Flächen inzwischen anders genutzt werden, sagte der Osnabrücker Hochschulprofessor in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auf Tafeln aus langlebigem Material wie Glas oder Keramik könnten die Namen aller jemals auf einem Friedhof Bestatteten eingraviert werden, regte Milchert an. Er und seine Studenten stellten am Freitag entsprechende Ideen für den städtischen Johannisfriedhof in Osnabrück vor, der 2015 entwidmet werden soll.

Für den gut 200 Jahre alten Johannisfriedhof seien die Daten aller rund 25.000 Bestatteten erhalten geblieben, erläuterte Milchert. Nach dem Vorbild der sogenannten "Stolpersteine" zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus würden auf den Tafeln neben den Namen die Geburts- und Sterbedaten aufgeführt. Die Tafeln könnten an den Mauern rund um das Gelände angebracht werden. "Es gibt im religiösen wie auch im bürgerlichen Bewusstsein das Bedürfnis, wenigstens den Namen aufzubewahren", sagte der Professor. Die Namen sollten "in bescheidener Weise wie in einem offenen Buch auf Ewigkeit erhalten bleiben".

Die Bestattungskultur habe sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert, sagte Milchert. Es gebe einen Trend zur anonymen Bestattung und zur Urnenbestattung, etwa in Kolumbarien. Dafür werde wesentlich weniger Platz auf Friedhöfen benötigt.

Milchert entwickelt zurzeit ein Konzept zur Nachnutzung entwidmeter Friedhöfe in Deutschland. Dabei müssten der Denkmalschutz sowie moderne Nutzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten miteinander in Einklang gebracht werden. Innovative Möglichkeiten seien etwa ein Ausstellungsgelände, ein Generationenpark mit Café und sogar ein Hotel.

epd-Gespräch: Martina Schwager, Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen