Superintendent Keil: "Christlicher Glaube und neonazistische Bewegungen sind nicht vereinbar"

Nachricht 08. Januar 2013

Osterode. Superintendent Volkmar Keil, leitender Geistlicher des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Harzer Land, war einer der Redner am heutigen Mittwoch, dem 09.01.2013, bei der Kundgebung in Osterode gegen die Wahlkampfveranstaltung der NPD. Er gehörte im Vorfeld bereits zu den Unterzeichnern des "Aufrufs zur Demonstration: Gemeinsam gegen Rechtsradikale" der Initiative für Menschenrechte und Demokratie im Landkreis Osterode/Harz. Neben Volkmar Keil unterzeichneten auch zahlreiche Bundes-, Landes- und Lokalpolitiker aller politischen Parteien aus Osterode und Umgebung sowie Vertreter von Sozialverbänden, Gewerkschaften und Schulen den Aufruf der Initiative, an der Gegenveranstaltung auf dem Kornmarkt in Osterode teilzunehmen. Neben Volkmar Keil nahm auch eine große Zahl der Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises an der Gegenveranstaltung teil, zu der sich mehrere hundert Menschen in Osterode versammelt hatten.

Ein großes Transparent mit der Aufschriften "Unser Kreuz hat keine Haken" wurde am Turm der Osteroder Aegidienkirche befestigt. Der Satz ist das Leitmotiv der landeskirchlichen Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus", die im Jahr 2010 gegründet wurde.

Die Rede von Superintendent Keil im Wortlaut:

Grußwort Gegenveranstaltung NPD-Kundgebung Osterode
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
aus vollem Herzen habe ich mich dem Aufruf zu dieser Veranstaltung angeschlossen. Es ist gut, es ist wichtig, dass Sie da sind, dass wir da sind!
„Unser Kreuz hat keine Haken“, so steht es auf dem Kirchturm der Ägidienkirche. Das ist uns wichtig.
Dieses Leitwort steht dafür, dass inhaltlich neonazistische Bewegungen und der Glaube der Kirche nicht vereinbar sind.

Hinter uns liegt eine Geschichte, in der zahlreiche Christinnen und Christen ihren Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit mit KZ-Haft oder sogar mit ihrem Leben bezahlt haben.
Sie haben sich dem Versuch widersetzt, die Kirche der nationalsozialistischen Ideologie gleichzuschalten.
Oder sie haben sich für Menschen eingesetzt, die auf Grund ihrer Rasse oder ihrer Überzeugung verfolgt wurden. Das darf nie wieder nötig werden!
Zu diesen Menschen gehörte der Theologie Dietrich Bonhoeffer. Er hat nicht nur aus der KZ-Haft das wunderbare Gedicht geschrieben „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, sondern hat auch gesagt:
„Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen“. Auch er wurde vom nationalsozialistischen Regime ermordet.
Deshalb haben Christen unserer Landeskirche 10 Thesen gegen Rechtsextremismus entwickelt. Vier dieser Thesen möchte ich gerne jetzt programmatisch hierher stellen:
1. (These 4): Jesus Christus sendet seine Anhänger in die ganze Welt (Mt 28, 18-20). Als Christen laden wir alle Menschen zur Gemeinschaft ein. Rechtsextremismus grenzt Fremde aus.
2. (These 6): Die Schöpfung Gottes ist reich und bunt. Als Christen erfreuen wir uns an dieser Vielfalt. Rechtsextremismus klassifiziert Menschen, Völker und Kulturen und schreckt vor Abwertung nicht zurück.
3. (These 8): Jesus lehre und lebte Nächstenliebe. Als Christen erkennen wir gerade in den Schwachen unsere Nächsten. Rechtsextremismus verachtet die Schwachen.
4. (These 9): Jesus von Nazareth war Jude. Jüdische Menschen sind für uns Vorfahren im Glauben. Rechtsextremismus steht für Antisemitismus.
Klarer kann es nicht sein. Christlicher Glaube und neonazistische Bewegungen sind nicht vereinbar.
Das machen wir deutlich.
Wir stehen zugleich dafür, dass es ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in unserem Land gut geht, dass niemand verachtet wird und dass Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus keine Chance haben dürfen.
Danke, dass Sie da sind. Osterode bleibt bunt, unser Landkreis bleibt aufgeschlossen für alle Menschen!
Dass uns das am Herzen liegt, dafür wollen wir heute alle eintreten.

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Osterode, 09. Januar 2013
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Harzer Land
Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann,
Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
benjamin.simon-hinkelmann@posteo.de
www.sprengel-hildesheim-goettingen.de