Niedersachsens Ministerpräsident will bessere Perspektiven für anerkannte Flüchtlinge - Bischof Meister wirbt für achtsamen Umgang mit der Sprache

Nachricht 05. Januar 2013

Bischof Meister rief Politiker auf, Wort zu halten. Ministerpräsident McAllister betonte das enge Verhältnis zu den Kirchen. Zwei Wochen vor den Landtagswahlen hatte die hannoversche Landeskirche zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang eingeladen.

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Bereits anerkannte Flüchtlinge müssen nach Ansicht von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) in Deutschland noch besser integriert werden. "Sie verdienen klare Perspektiven für ihre Teilhabe an und in unserer Gesellschaft", sagte McAllister am Sonntag beim traditionellen Neujahrsempfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum bei Nienburg. Dazu müssten gesetzliche Regelungen und Integrationsprogramme weiterentwickelt werden. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister rief zwei Wochen vor den niedersächsischen Landtagswahlen Politiker zu einem achtsamen Umgang mit der Sprache auf.

McAllister vereidigte vor rund 140 Gästen aus Politik und Gesellschaft die niedersächsische Flüchtlingspolitik. Die Landesregierung habe sich bemüht, unnötige Härten aus dem Aufenthalts- und Bleiberecht zu beseitigen. Aktuell strebe das Land mit einer Bundesratsinitiative eine Bleiberechtsregelung für langjährig geduldete Ausländer mit besonderen Integrationsleistungen an. Die Politik von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) war auch aus den Kirchen immer wieder als zu hart kritisiert worden. McAllister sagte: "Für den offenen und ehrlichen Dialog gerade auch mit den christlichen Kirchen bin ich sehr dankbar."

Unter Beifall sicherte McAllister zu, er werde sich für einen bundesweiten Feiertag zum 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 einsetzen. "Wenn sich das bewährt, könnten wir eine Tradition fortsetzen beziehungsweise wieder einführen." Die Signale dafür seien auch aus einigen anderen Bundesländern positiv. Der Ministerpräsident warb zudem für den Erhalt des konfessionellen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen. Ein allgemeines Fach "Religionen und Weltanschauungen" sei keine Alternative.

Bischof Meister warnte vor religionsfeindlichen Tendenzen in der Gesellschaft. Er sprach sich entschieden für die Straffreiheit von Beschneidungen muslimischer und jüdischer Jungen durch medizinisch kundige Personen aus. Ihn habe manches entsetzt, was dazu geschrieben worden sei, unterstrich der Bischof: "Bis in die vergangene Woche hinein zeigte sich eine diffuse Mischung aus Unkenntnis, Ignoranz oder sogar Religionshass."

Für den Umgang mit der Sprache mahnte Meister: "Es geht um eine Achtsamkeit, weil die Sprache die Kraft hat, darüber zu entscheiden, wohin wir Hand und Fuß setzen werden." Deshalb sei es so wichtig, dass die Sprache der biblischen Aufforderung "Wort halten" verpflichtet bleibe. Dieses Zitat aus dem Johannesevangelium sei auch das Motto für die Feierlichkeiten zum 850. Jubiläum des im Jahr 1163 gegründeten Klosters Loccum. Das umfangreiche Festprogramm wird im März eröffnet und dauert sieben Monate.

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Zwischen Tradition und Moderne - Epiphaniasempfang im Kloster Loccum gilt als Niedersachsens erster offizieller Jahrestermin
Von Ulrike Millhahn (epd)

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers lädt seit 63 Jahren Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum Jahreswechsel zu einem Empfang in das 850 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum bei Nienburg ein. Der ehemalige Landesbischof Hanns Lilje hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt zu Loccum erstmals zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. Lilje zu Ehren, der am 6. Januar 1977 starb, wurde die Feier auf den Epiphaniastag verlegt. Sie ist seitdem der erste offizielle Termin des neuen Jahres im Bundesland Niedersachsen.

Zwischen Tradition und Moderne hat der Empfang bis heute einen besonderen Charakter. Lilje bezeichnete seine Gäste gern als "Notabeln des Landes", wie einst die Mitglieder der königlichen Ratsversammlungen in Frankreich genannt wurden. In Loccum beschränkt sich ihre Zahl schon immer auf 140 Personen. Mehr sind nicht im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, unterzubringen.

Landesbischof Ralf Meister und Abt Horst Hirschler stehen Seite an Seite an der Tür, um alle Gäste per Handschlag zu begrüßen. Altbischof Hirschler gehört seit 1988 zu den Gastgebern - zunächst als Landesbischof, seit 2000 als Abt. Die Reden sind noch immer allein dem Bischof, dem Abt und dem Ministerpräsidenten vorbehalten.

Eng wird es nach wie vor an den Tischen in dem hohen Raum mit den wertvollen alten Büchern. Auch heute gilt es als etwas Besonderes, auf der Einladungsliste zu stehen. Die Jahre, als die einzige Rolle von Frauen das Kaffeeausschenken war, sind allerdings schon länger vorbei. Margot Käßmann sorgte in den elf Jahren ihrer Amtszeit als Landesbischöfin konsequent dafür, dass die Frauenquote unter den Gästen von Jahr zu Jahr stieg.

Früher wurde neben Kaffee und Butterkuchen nur noch der eine oder andere Schnaps zum Aufwärmen gereicht, bevor sich um 18 Uhr alle in der oft eiskalten Klosterkirche zur Andacht, der Hora, versammelten. Heute ist das Angebot um Orangensaft, Sekt und Salzgebäck erweitert.

Die Kirche ist inzwischen auch beheizt und in diesem Jahr gerade frisch renoviert. Denn am 21. März treffen sich Abt, Bischof und der Ende Januar neu zu wählende Ministerpräsident wieder im Kloster. Sie eröffnen das Festprogramm zum 850-jährigen Jubiläum. Es steht unter dem biblischen Motto "Wort halten". Das Spektrum des siebenmonatigen Kulturprogramms reicht vom Open-Air-Konzert "Funky Kloster" bis zu Mönchsgesängen und vom Poetry-Slam bis zur Autorenlesung mit Günter Grass.

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