"Plattdüütsch in de Kark" feiert 50jähriges Bestehen / Interview mit Heinrich Kröger

Nachricht 04. Januar 2013

Hannover/Loccum (epd). Die evangelische Arbeitsgemeinschaft "Plattdüütsch in de Kark" in Niedersachsen und Bremen besteht seit 50 Jahren. Am 19. Februar werde das Jubiläum in Loccum mit Landesbischof Ralf Meister und dem Vizepräsidenten des Landeskirchenamtes, Arend de Vries gefeiert, sagte Geschäftsführerin Anita Christians-Albrecht am Sonnabend.

Eine Fortbildung für Pastoren in Loccum war 1963 die Initialzündung, die der plattdeutschen Verkündigung in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers Aufschwung und Breitenwirkung brachte, wie der Plattdeutsch-Experte Heinrich Kröger erläuterte. Noch im gleichen Jahr gründete sich die Arbeitsgemeinschaft "Plattdüütsch in de Kark", die bis heute in ganz Niedersachsen und Bremen für die Verkündigung in der Regionalsprache eintritt.

Nur in Schleswig-Holstein hätten sich die Plattdeutsch-Liebhaber in der Kirche bereits früher organisiert, sagte der Soltauer Pastor. Bis die Kirche die plattdeutsche Verkündigung offiziell anerkannte, habe es jedoch noch gedauert. 1974 wurde Kröger nebenamtlich zum ersten landeskirchlichen Beauftragten ernannt.

Heute setzen sich Christians-Albrecht zufolge rund 300 Mitglieder von "Plattdüütsch in de Kark" für die Sprache ein. Die Pastorinnen, Pastoren und Ehrenamtlichen predigten auf Platt, sagte die Pastorin. Ein weiterer Schwerpunkt seien Angebote für Kinder und Familien. Die Jubiläumstagung vom 19. bis 22. Februar in der Evangelischen Akademie Loccum widmet sich dem Thema "Wo bün ik warden, wat ik bün - Biografieforschung und Theologie".

+++

Plattdüütsch höört ok in de Kark - Drei Fragen an den kirchlichen Plattdeutsch-Experten Heinrich Kröger
epd-Gespräch: Karen Miether

Soltau/Loccum (epd). Die evangelische Arbeitsgemeinschaft "Plattdüütsch in de Kark" in Niedersachsen und Bremen feiert am 19. Februar ihr 50-jähriges Bestehen. Rund 300 Mitglieder setzen sich dafür ein, dass in Gottesdiensten oder auf Kinderfreizeiten Platt gesprochen wird. Lange hatte es die Regionalsprache schwer, anerkannt zu werden, sagte Heinrich Kröger im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Ruhestandspastor aus Soltau hat über "Plattdeutsch in der Kirche" promoviert. Er war lange Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft und ist heute Ehrenmitglied.

epd: Warum sollte denn in der Kirche Plattdeutsch gesprochen werden?

Heinrich Kröger: Weil de Lüüd dat snacken doot. Viele sprechen Platt und noch mehr verstehen es. Wenn ich irgendwo hinkomme, spreche ich die Menschen auf plattdeutsch an. Das trauen sich manche heute nicht mehr gleich. Aber ob bei der Tageszeitung oder in der Arztpraxis, ich treffe überall Plattdeutsche. Die Sprache ist viel anschaulicher und lebendiger als das Hochdeutsche. Sie lädt dazu ein, Geschichten zu erzählen - auch Geschichten vom Glauben. Das ist unsere Aufgabe und eine Chance, die wir nutzen sollten.

epd: Lange Zeit war Plattdeutsch aber auch in der Kirche wenig angesehen. Nach der Gründung der Arbeitsgemeinschaft 1963 dauerte es noch, bis die Sprache offiziell anerkannt und die Arbeit von "Plattdüütsch in de Kark" entsprechend gefördert wurde, warum?

Heinrich Kröger: Wir haben 1963 auch den damaligen Landesbischof Lilje um Unterstützung gebeten. Der hielt aber nichts davon. Es galt lange als ungebildet, Platt zu snacken. Erst später wurde vielen klar, wie unsinnig das ist. In unserer Zeit ist es wichtig, mehrere Sprachen zu können, auch Regionalsprachen gehören dazu.

epd: Welchen Stellenwert hat Plattdeutsch heute in der Kirche?

Heinrich Kröger: Zum Jubiläum der Arbeitsgemeinschaft kommt auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Er hat mir zum 80. Geburtstag auf Platt gratuliert. Er kann die Sprache genauso wie Bundespräsident Joachim Gauck. Mittlerweile gibt es auch theologische Forschung zu Plattdeutsch in der Kirche und es gibt Fortbildungen. Die Geschäftsführerin von "Plattdüütsch in de Kark", Anita Christians-Albrecht, plant gerade eine Veröffentlichung zur Arbeit mit Kindern. Da tut sich zum Beispiel in den Kindertagesstätten und mit Kinder- und Familienfreizeiten einiges.

Copyright: epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen