Mütterkurheime leiden unter Finanznot

Nachricht 21. Dezember 2012

Bad Bevensen/Hannover (epd). Immer mehr Mütter benötigen Untersuchungen zufolge wegen starker psychischer und körperlicher Belastung eine Kur. Gleichzeitig litten Mütterkurheime unter Finanznot, sagte Geschäftsführerin Stefanie Kühn vom Verein "ReGenesa", der die Häuser in der hannoverschen Landeskirche betreibt. Nach 45 Jahren stellt zum Jahresende die Klinik "Antonie-Nopitsch-Haus" in Bad Bevensen aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb ein - auch, um die drei anderen ReGenesa-Häuser zu sichern, wie Kühn erläuterte.

Nach Daten des bundesweiten Müttergenesungswerkes hat sich der Anteil der Kurteilnehmerinnen mit einem Erschöpfungssyndrom in den vergangenen acht Jahren um mehr als 30 Prozent erhöht. Die meisten Mütter arbeiteten heute zumindest in Teilzeit, zitierte Kühn aus einer Studie. Dennoch trügen sie nach wie vor in der Familie die Hauptverantwortung. "Sie kommen zu uns, wenn es eigentlich schon fast zu spät ist. Einige leiden unter starken Depressionen, Schlaf- oder Angststörungen."

Gleichzeitig sank die Zahl der Einrichtungen unter dem Dach des Müttergenesungswerkes, zu denen auch die vier ReGenesa-Heim zählen. Gab es vor zehn Jahren noch mehr als 120 Heime sind es heute nur noch etwas mehr als 80. Die meisten davon nehmen Mütter mit ihren Kindern auf. Nach dem Ende des Antonie-Nopitsch-Hauses gibt es bundesweit nur noch fünf Mütter-Kliniken, in die Frauen alleine kommen. "Das ist eine traurige Entwicklung für die kranken und belasteten Mütter", sagte Kühn.

Eine Ursache dafür sei die restriktive Bewilligungspraxis der Kassen in den vergangenen Jahren gewesen. Sie habe dazu geführt, dass oftmals Kuren nicht genehmigt wurden. In der Folge sei etwa das "Antonie-Nopitsch-Haus" viele Jahre kaum zur Hälfte belegt gewesen. Seit Jahresbeginn verpflichte eine Richtlinie des Bundesgesundheitsministeriums die Kassen dazu, transparent zu begründen, warum sie Kuren genehmigen oder ablehnen. Erstmals verzeichneten jetzt die meisten Häuser eine gute Auslastung. "Wir hoffen auf Stabilität", sagte Kühn.

Kühn zufolge reichen die mit den Krankenkassen ausgehandelten Tagessätze zudem nicht aus, um die Kliniken mit hohen Qualitätsstandards auskömmlich zu finanzieren. "Die hannoversche Landeskirche unterstützt unsere Arbeit noch immer in erheblichem Umfang und ermöglicht damit für die nächsten Jahre noch den Fortbestand dieser wichtigen Aufgabe."

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