Stärkung des europäischen Miteinanders

Nachricht 10. Dezember 2012

Am 10. Dezember 2012 wurde in Oslo der Friedensnobelpreis an die Europäische Union verliehen. Am 7. November 2012 hat die 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland einen Beschluss zur Stärkung des europäischen Miteinander gefasst. Hier lesen Sie noch einmal den Beschluss im Wortlaut.

"Europa steht für ein Leben in Frieden und Freiheit, für offene Grenzen untereinander, für Menschenrechte, Chancengleichheit und soziale Verantwortung und für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Im Ringen um eine Lösung der Schulden- und Finanzmarktkrise droht der europäische Gedanke allerdings ins Hintertreffen zu geraten. Die Frage, wieweit die Solidarität in Europa reicht, beginnt die Gemeinschaft zu spalten. Längst geht es um mehr als den Erhalt der gemeinsamen Währung in der Eurozone, es geht um die Zukunft der europäischen Idee.

Als Christinnen und Christen verpflichten wir uns, für den europäischen Zusammenhalt einzutreten und gegenseitige Solidarität zu üben, denn unser Glaube und unsere Gemeinschaft orientieren sich nicht an Grenzen. Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind Anliegen der weltweiten Christenheit. Diese Ziele werden auch von der Europäischen Union verfolgt.

Krise und Integration der Europäischen Union gehen Kirchen unmittelbar etwas an, insbesondere die Zunahme von sozialen Spannungen und Ungleichheiten (z.B. hohe Jugendarbeitslosigkeit, Altersarmut) aufgrund der strikten Sparvorgaben erfüllt uns mit Sorge.

Vor diesem Hintergrund liegt es deshalb auch an den Kirchen, den Prozess der europäischen Integration zukunftsfähig zu halten, und ein soziales und demokratisches Europa einzufordern. Sie haben in ökumenischer Verbundenheit die Kraft und die Reichweite, Menschen zu einem gemeinsamen europäischen Weg zu ermutigen. Zudem verfügen sie über ganz praktische Erfahrungen, wie Völkerverständigung, Einheit in Vielfalt und gemeinsames Handeln über Grenzen hinweg gelingen kann.

Die Synode begrüßt, dass der Rat die Initiative ergriffen hat, gemeinsam mit den ökumenischen Partnerkirchen in Europa ein Wort zur Stärkung des europäischen Miteinanders zu erarbeiten, um sich in die Debatte zur Zukunft Europas einzubringen und die gemeinsame Stimme der Kirchen gegenüber nationaler und europäischer Politik zu artikulieren.

Die Synode bittet daher die Gliedkirchen, die Entwicklung einer informierten, respektvollen und solidarischen europäischen Kultur zu unterstützen, indem sie z.B. in ihren Strukturen Austauschprogramme von europäischen Freiwilligen fördern, Veranstaltungen zu europäischen Themen durchführen oder den Austausch und die Zusammenarbeit mit europäischen Partnerkirchen ausweitet. Sie bittet die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), wie bisher die Debatte um die Bedeutung der europäischen Integration durch theologische Reflexion zu bereichern. Sie bittet die Gliedkirchen, die theologische Reflexion der GEKE in ihre Überlegungen einzubeziehen."

Timmendorfer Strand, den 7. November 2012


Die Präses der Synode
der Evangelischen Kirche in Deutschland

Katrin Göring-Eckardt