Fest nach Sanierung des UNESCO-Weltkulturerbes St. Michaelis Hildesheim

Nachricht 08. Dezember 2012

Hildesheim (epd). Die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählende St. Michaeliskirche in Hildesheim ist für insgesamt zehn Millionen Euro saniert worden. Am Sonntag feierte die Gemeinde in einem Gottesdienst und einem Festakt den Abschluss der sieben Jahre dauernden Bauarbeiten. Der Gedanke des Weltkulturerbes stehe für mehr als museales Bewahren, sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister: "Erben bedeutet ja immer, dass etwas Überliefertes für die Gegenwart und Zukunft fruchtbar gemacht wird."

Der evangelische Bischof unterstrich seinem Manuskript zufolge: "Alles, was in diesen Kirchenbau investiert wurde, hat ein klares Ziel: In St. Michaelis christlichen Glauben zu leben." Die Mauern von St. Michaelis seien selbst zu einem Glaubenszeugnis geworden. Seit mehr als 1.000 Jahren verkündigten Menschen dort das Wort Gottes, sie sängen, beteten und musizierten. "Es sind keine toten Mauern, dieser Raum lebt."

Der Bau, der als herausragendes Denkmal romanischer Baukunst nördlich der Alpen gilt, hatte 2010 sein 1.000-jähriges Bestehen gefeiert. Bis dahin wurde der Innenraum grundlegend saniert, ab 2011 die Außenfassade. Die Kosten seien vom Bund, der Stadt, der hannoverschen Landeskirche und aus Spenden getragen worden, hieß es.

Der katholische Bischof Bernward von Hildesheim (ca. 950-1022) gründete das Kloster mit der Kirche St. Michaelis. 1542 wurde die Kirche im Zuge der Reformation zur evangelischen Pfarrkirche. Die Benediktiner lebten jedoch bis ins 19. Jahrhundert im angrenzenden Kloster. Die Bernwardskrypta ist bis heute katholisch. Sie ist nach einem Durchbruch der Mauern seit 2006 wieder mit der evangelischen Kirche verbunden. Meister sagte, er sehe in St. Michaelis auch ein ökumenisches Hoffnungszeichen.

Der Hildesheimer Regionalbischof Eckhard Gorka sagte, ein Kirchbau berühre immer auch die Gefühle. "St. Michaelis ist ein Emotions-Generator." Zwar könne architektonische Kunst den Glauben nicht ersetzen. "Gottes Wohnort und der Arbeitsplatz der Christen ist die Welt." Doch Ästhetik könne sehr wohl dem Glauben helfen, das zeigten die Tausenden Touristen, Konzert- und Gottesdienstbesucher, die in die Michaelis-Kirche kämen, erläuterte Gorka laut seinem Redemanuskript. "Kirchenschäfchen grasen gern auf Augenweiden."

Bei den Arbeiten ab 2005 sei auch der Sandsteinboden der Kirche um etwa 15 Zentimeter wieder auf seine historische Originalhöhe abgesenkt worden, erläuterte Gemeindepastor Dirk Woltmann. Im Kirchenschiff seien unter der Deckfarbe an einigen Säulen Gravuren aus dem 12. Jahrhundert zum Vorschein gekommen. An der ab 2011 sanierten Außenfassade hätten die Bauarbeiter unter dem Putz originale romanische Bögen gefunden. 2014 soll die Michaeliskirche auf die deutsche Zwei-Euro-Münze geprägt werden.

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