Antikriegshaus Sievershausen verleiht Friedenspreis

Nachricht 28. November 2011

Am Sonntag, 9. Dezember, dem Vorabend zum Tag der Menschenrechte, wird in einer Feierstunde im Antikriegshaus Sievershausen zum 12. Mal der Friedenspreis Sievershäuser Ermutigung verliehen. Thema der diesjährigen Ermutigung ist die Arbeit mit Menschen ohne Papiere, Menschen, die ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland im Verborgenen leben und sich aus Angst vor Entdeckung und Abschiebung nicht gegen Verletzungen ihrer Menschenrechte wehren, oft nicht einmal ihre Kinder zur Schule schicken oder einen Arzt aufsuchen. Diese Menschen sind vor unhaltbaren Zuständen in ihren Heimatländern geflohen und finden sich hier oft in eben denselben wieder.

Es gibt Einzelpersonen und Initiativen, die sich für die Rechte dieser Menschen einsetzen und helfen, wenn sie in Not geraten.

Die Jury der Sievershäuser Ermutigung hat zwei Initiativen für ihre vorbildliche Arbeit auf diesem Feld ausgewählt: Das Projekt DiaMiPA (Diakonische Migrationsarbeit für Personen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus) des Diakonischen Werkes Hannover und die christliche Basisgemeinschaft Brot & Rosen aus Hamburg. Das Antikriegshaus wird am 9. Dezember 2012 diese Arbeit ermutigen und die dahinter stehenden Menschen für ihren Einsatz für die Würde der Menschen und ihre Rechte ehren.

Die Abteilung proMigration des Diakonischen Werkes Stadtverband Hannover sieht in der Arbeit für Zugewanderte und Menschen mit Migrationshintergrund grundsätzlich eine wichtige Aufgabe, sie nimmt diese Aufgabe auch und gerade für MigrantInnen mit einem auf Dauer angelegten Aufenthaltsstatus wahr. Die Ziele sind dabei die Verbesserung der sprachlichen, schulischen, beruflichen und sozialen Integration, die Förderung von Chancengerechtigkeit und die Teilnahme von MigrantInnen in allen Bereichen öffentlichen Lebens.

Seit einigen Jahren ist der Abteilung proMigration durch diese wichtige Arbeit und den Einsatz in der Abschiebehaft Langenhagen die Lage der Personen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus in den Blick geraten, die oftmals durch den fehlenden Zugang zu medizinischer Versorgung und das Fehlen fundamentaler Rechte gekennzeichnet ist. So wurde 2008 der Einsatz für die Menschenrechte speziell dieses Personenkreises ein neues Betätigungsfeld.

In Zusammenarbeit mit der Malteser Migranten Medizin und dem Diakoniekrankenhaus Friederikenstift in Hannover wurden Hilfsmöglichkeiten ausgelotet und v.a. auf dem Gebiet der medizinischen Versorgung Vermittlungsdienste geleistet. Durch die Vermittlung im Projekt DiaMiPa haben hunderte Menschen ohne Papiere anonym die notwendige Hilfe erhalten.

Ebenso wichtig ist es, dass der Schutz der Menschenrechte von vornherein gewährt wird und die Hilfe nicht in einer rechtlichen Grauzone geschehen muss. Deshalb greift die Abteilung proMigration auch zu politischen Mitteln der Aufklärung und entwickelte u.a. zusammen mit dem Haus kirchlicher Dienste und dem Netzwerk Kirche und Asyl die sehenswerte Ausstellung „Leben im Verborgenen“, die jetzt seit über drei Jahren bundesweit präsentiert wird und bis Weihnachten auch im Antikriegshaus zu sehen ist.

Brot & Rosen wird für ihr „Haus der Gastfreundschaft“ geehrt, das Flüchtlingen seit 1996 unabhängig von ihrem sozialrechtlichen Status offen steht. Die Mitglieder der Basisgemeinschaft leben selbst in diesem Haus und bieten Flüchtlingen ein Zuhause auf Zeit, um „durchatmen“ zu können und neue Perspektiven zu entwickeln. So leben Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen unter einem Dach in einer Gemeinschaft, teilen den Alltag miteinander, arbeiten im Haushalt, kochen, putzen, kaufen ein. Sie tragen eine gemeinsame Verantwortung und stehen füreinander ein.

Das geht weit über eine Hilfe für Flüchtlinge hinaus. Sie wollen mit Menschen arbeiten und leben, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, denen Grundbedürfnisse vorenthalten, deren Menschenrechte verletzt werden. Sie nehmen diese Menschen nicht nur in ihrer Lage als Flüchtlinge wahr und ernst, sondern streben eine freundschaftliche Beziehung zu ihnen an. Dass das gelingt, beweisen zahlreiche langwährende Freundschaften mit ehemaligen Flüchtlingen.

Momentan besteht die Basisgemeinschaft aus fünf Mitgliedern, die ihr Einkommen aus Teilzeitarbeit zusammenlegen und sich bemühen, einfach und mit wenig Geld zu leben. Freiwillige Helfer und Flüchtlinge leben eine Zeitlang mit ihnen. Inspiriert ist dieses Konzept von christlichen Gemeinschaften in den USA, die eine Kombination von sozialem Dienst, politischer Aktion und Gemeinschaft leben. Sie setzen dieses Konzept gegen die zunehmende menschliche Isolierung und Leistungsorientierung in unserer Gesellschaft und gegen die Begrenztheit von Sozialarbeit angesichts wachsender Armut.

Über die praktische Solidarität mit den Mitbewohnern hinaus engagieren sie sich in der Hamburger Flüchtlingsarbeit, laden zu Diskussionsabenden ein und veröffentlichen einen regelmäßigen Rundbrief.

Als Laudator konnte der langjährige OB der Landeshauptstadt Hannover Dr. Herbert Schmalstieg gewonnen werden. Er war maßgebliches Mitglied der internationalen Vereinigung ‚Bürgermeister für den Frieden‘ (Mayors For Peace) und hat sich nach dem Ende seiner 36jährigen Amtszeit zusammen mit seiner Frau Dr. Heidi Merk für die Belange von Flüchtlingen stark gemacht. Herbert Schmalstieg ist Mitglied der Härtefallkommission beim niedersächsischen Innenministerium.

Für Grußworte haben der Bürgermeister der Stadt Lehrte Klaus Sidortschuk, der Superintendent des Kirchenkreises Burgdorf, Dr. Ralf Charbonnier, die stellvertretende Regionspräsidentin Doris Klawunde und Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer als Vertreter des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ihr Kommen zugesagt.