Landesbischof Ralf Meister spricht auf dem ökumenischen Jahresempfang in Brüssel

Nachricht 26. November 2012

„Im Geist der Güte – der kirchliche Beitrag zur sozialen Stadt“

„Tag für Tag wandern 150 000 Menschen in die Städte dieser Welt. Alle fünf Tage entsteht ein neues Rotterdam, alle drei Monate ein neues New York.“ Auf diese Entwicklung hat der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, anlässlich des ökumenischen Jahresempfangs in Brüssel am Montagabend, 26. November, hingewiesen. Vor den beiden Gastgebern, dem Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Bernhard Felmberg, und dem Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten, sowie zahlreichen Europaparlamentariern und weiteren Gästen aus den EU-Institutionen sprach der Landesbischof zu dem Thema „Im Geist der Güte – der kirchliche Beitrag zur sozialen Stadt“.

Bei der Gestaltung der Städte als Lebensräume spielten die Kirchen eine wichtige Rolle, so der Landesbischof, nicht nur durch kulturprägende Kirchenbauten oder die Kirchenfestzeiten, die den Lebensrhythmus der überwältigenden Mehrheit der europäischen Bevölkerung bestimmen: Auch die „soziale Kompetenz religiös Handelnder“ werde immer stärker bemerkbar, die in den Stadtquartieren karitativ die Lebenswirklichkeit der Menschen verbesserten. Meister: „Das aktive Quartiermanagement der Kirchen sichert in vielen städtischen Bereichen eine notwenige soziale Infrastruktur. Es lässt mehr und mehr aufhorchen, dass das ehrenamtliche Engagement innerhalb der Kirchen weiter steigt, während es in anderen Bereichen stagniert oder eher schrumpft. Man muss es so knapp sagen: Religiöse Menschen haben eine ausgeprägte Verantwortung für das soziale Zusammenleben und die Stiftung des Gemeinsinns.“

Daher, so Meister weiter, seien die Kirchen bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen städtischen Infrastruktur ein wichtiger Partner der Kommunen, um die wesentlichen Herausforderungen zum Beispiel der Generationengerechtigkeit und Familienfreundlichkeit zu bewältigen: „Bei dem Ausbau von Bildungseinrichtungen stoßen Kommunen oftmals an ihre Grenzen. Kirchliche Strukturen sind hingegen häufig gut etabliert, um solche Infrastrukturprojekte durchzuführen und sie mobilisieren oftmals ein höheres ehrenamtliches Engagement in der Förderung und Unterstützung dieser Einrichtungen als es staatliche Einrichtungen vermögen.“ Daher sei es insbesondere wichtig, dass Kirchen auch in der zukünftigen europäischen Regionalpolitik ab 2014 den zentralen Stellenwert zugedacht bekämen, der es ihnen ermögliche „ihre Verantwortung als Partner wahrzunehmen.“

Landesbischof Meister hob hervor, dass Städte als Ort der Gegensätze eine wichtige Schule für Respekt und Toleranz darstellten. Gerade aufgrund dieser Unterschiedlichkeit böte sich in Städten die Möglichkeit, ein Miteinander zu leben und zu lernen. Die Religionen müssten angesichts der multireligiösen Entwicklungen in vielen Städten, „neben der theologischen Auseinandersetzung im Dialog der Religionen auch die gemeinsame Verantwortung für das städtische Gemeinwesen“ stärker betonen. Gleichzeitig sollten die Kirchen die „Säkularisierung religiöser Bräuche und Zeichen kritisch und deutend begleiten“.

Mit der Hoffnung, dass sich Städte verwandeln ließen, schloss Landesbischof Meister seinen Vortrag: „Verwandeln in die gerechten und friedlichen Orte, von denen die Bibel erzählt. Wir als Kirchen wollen unseren Anteil dazu beitragen.“

Hannover/ Brüssel, 26. November 2012

Pressestelle der EKD

Silke Römhild