Friedensbeauftragter Burckhardt: Bei Alltagsrassismus nicht wegsehen

Nachricht 16. November 2012

Hannover (epd). Der evangelische Friedensbeauftragte Klaus Burckhardt hat die Kirchengemeinden aufgerufen, rechtsextremes Gedankengut in eigenen Reihen nicht einfach zu ignorieren. Rassistische Äußerungen, etwa in der Seniorengruppe, dürften nicht als unbedeutend abgetan werden, warnte der Pastor im Haus kirchlicher Dienste der hannoverschen Landeskirche bei einer Diskussion am Donnerstagabend in Barsinghausen bei Hannover. Er regte an, in Studien genauer zu untersuchen, "welche blinden Flecken auch in unserer eigenen Klientel bestehen".

Die evangelischen Kirchen hätten lange Zeit zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geschwiegen, sagte der Pastor, der auch im Vorstand der Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" ist. Er rief Christen dazu auf, in solchen Initiativen mitzuwirken. "Wir als Kirche haben eine moralische Verpflichtung dazu." Dieses Engagement berge die Chance, Bündnisse von Gewerkschaften und antifaschistischen Gruppen um eine "parteipolitisch nicht gebundene Komponente" zu erweitern und so auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen.

Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß bei Celle hob den Stellenwert der Prävention für den Kampf gegen Rechtsextremismus hervor. "Neonazis sind sehr missionarisch", warnte der Pastor, der sich seit vielen Jahren gegen rechtsextreme Umtriebe in seiner Region engagiert. So hätten sie in manchen Fällen schon an Zwölfjährige auf Schulhöfen CDs mit rechtsextremer Musik verteilt.

Der Mut, sich Neonazis entgegenzustellen, müsse zunächst wachsen, erläuterte der Apotheker Jürgen Uebel vom Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt". Er berichtete vom wachsenden Protest der Bürger in der Kurstadt gegen jährliche "Trauermärsche" der Neonazis. "Die Idee, dass es normal ist, gegen Nazis zu sein, musste sich erst verankern." Durch kulturelle Veranstaltungen oder ökumenische Gottesdienste seien Menschen mit den Protestaktionen in Kontakt gekommen, die sich zuvor nicht vorstellen konnten, an einer Demonstration teilzunehmen.

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