Kirchen: Spirale der Gewalt in Nahost stoppen

Nachricht 15. November 2012

Bremen/Berlin (epd). Die evangelische Kirche hat zur Beendigung des aktuellen Gaza-Konflikts aufgerufen. "Eine Friedensperspektive kann es nur geben, wenn Hamas und Hisbollah endlich das Existenzrecht Israels anerkennen und die gegenwärtige israelische Regierung endlich die Siedlungspolitik beendet", sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch der Zentralrat der Juden brachte seine Hoffnung auf ein Ende der Gewalt zum Ausdruck.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) reagierte mit großer Sorge auf den Konflikt in Gaza und Israel. ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit rief in Genf die Konfliktparteien dazu auf, die Feindseligkeiten einzustellen und den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen. Die Zivilisten gehörten in solchen Konflikten immer zu den Hauptopfern, fügte Tveit hinzu. Der Weltkirchenrat repräsentiert mehr als 560 Millionen Christen.

Der EKD-Friedensbeauftragte Brahms erklärte weiter, "der Beschuss der israelischen Bevölkerung aus Gaza ist genauso wenig zu akzeptieren wie eine Eskalation vonseiten der israelischen Regierung - bei allem Recht, die Bevölkerung zu schützen". Der leitende Bremer Theologe wünschte den Kräften in Israel mehr Gewicht, die sich für eine neue Friedensperspektive einsetzten. Er hoffe zudem, dass sich der wiedergewählte US-amerikanische Präsident Barack Obama im Nahen Osten für neue Verhandlungen engagiere.

Das kirchliche Hilfswerk "Brot für die Welt" appellierte an die Bundesregierung, sich für einen Stopp der Gewalt in Israel und den palästinensischen Gebieten einzusetzen. Die Bundesregierung müsse alles daran setzen, die Spirale der Gewalt zwischen Israel und militanten Gruppen im Gazastreifen zu beenden, erklärte die evangelische Hilfsorganisation in Berlin. "Vereinfachende und einseitige Schuldzuweisungen sind in dieser komplexen Lage fehl am Platz", erklärte Claudia Warning, Vorstand von "Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst".

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, wünschte allen Menschen in der Region, "dass der Weg zum Frieden von der Hamas und dem Iran nun nicht vollends und vorschnell vernichtet wird". Die Menschen hätten "das Recht auf ein Leben in Frieden und in Sicherheit."

Graumann erklärte, Israel habe wie jeder Staat der Welt das Recht auf Selbstverteidigung: "Wir unterstützen daher ausdrücklich Israels Recht und Pflicht, die eigenen Menschen vor den böswilligen, fortgesetzten Angriffen der Terroristen zu schützen." Zugleich wünschte sich der Zentralrats-Präsident eine faire Berichterstattung in den Medien.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sowie Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, erklärte zur aktuellen Lage: "Der international agierende Terrorismus richtet sich gegen die gesamte aufgeklärte, zivilisierte Welt. Auch die jüngste Eskalation von Gewalt in Nahost geht auf den fortwährenden terroristischen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen in den Süden Israels zurück."

Knobloch kritisierte, es herrsche zu wenig Verständnis in weiten Teilen der Bevölkerung und der Medien für die einzigartige geopolitische Situation Israels. "Für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist es schwer zu ertragen, wie wenig Empathie der jüdische Staat hierzulande erhält", fügte sie hinzu. Israel verteidige als einzige Demokratie in der Region "unsere gemeinsamen Werte". Wie jeder souveräne Staat habe auch Israel das Recht auf Selbstverteidigung.

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