Medienexpertin: Ansprüche an Journalisten steigen - Landesbischof Meister unterstreicht Bedeutung der Medien

Nachricht 14. November 2012

Hannover (epd). Die Erlanger Theologieprofessorin und Medienexpertin Johanna Haberer sieht Journalisten mit steigenden Ansprüchen konfrontiert. In immer größerer Geschwindigkeit müssten sie aufgrund des Internets immer mehr Informationsmaterial sichten, sagte sie am Donnerstag in Hannover bei einer medienpolitischen Tagung der Kirchen und des Landes Niedersachsen. Sie müssten gegenüber Täuschungsabsichten ebenso aufmerksam sein wie gegenüber dem Einfluss von Lobbyisten. Zugleich werde der Beruf aber immer schlechter bezahlt: "Der Journalismus treibt in prekäre Verhältnisse."

Die Gesellschaft müsse deshalb dringend diskutieren, wie Qualitätsjournalismus in Deutschland erhalten werden könne, unterstrich Haberer: "Für eine Demokratie ist ein qualitativ hochwertiger Journalismus eine Überlebensfrage." Die Bürger könnten sich nur am politischen Leben beteiligen, wenn sie sauber informiert seien.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister berichtete, er habe mit Journalisten "herausragend gute Erfahrungen" gemacht. "Ich vertraue in kluge und verantwortungsvolle Medienschaffende", sagte er. Natürlich könne auch er genügend Negativbeispiele erzählen. "Aber wenn wir die Lieder anstimmen über gute Beispiele, würden wir nicht zum Ende kommen." Laut Meister tragen die Medien durch intensive Debatten unterschiedlicher Standpunkte zur Bildung von Werten bei. Werte würden heute nicht mehr durch Kirche oder Obrigkeiten einfach nur gesetzt.

Der evangelische Theologe erneuerte seinen Vorschlag, dass Medien auch Fehler offen zugeben sollten. "Warum kann etwa das ZDF nicht um 23 Uhr eine Sendung bringen nach dem Motto: Das waren unsere Fehler?" Ihm sei entgegengehalten worden, so etwas schaue sich niemand an. "Ich behaupte das Gegenteil", sagte der Landesbischof. Meister ist Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

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