Rathing: "lernen, unseren Glauben weiterzugeben"

Nachricht 06. November 2012

Lüneburg. Landessuperintendent Dieter Rathing sieht die Christen in Deutschland vor eine missionarische Aufgabe gestellt. „Wenn die Vermittlung unserer Tradition nicht mehr automatisch funktioniert, müssen wir es lernen, unseren Glauben weiterzugeben“, sagte der Regionalbischof für den Sprengel Lüneburg kürzlich vor dem „Club von Lüneburg“. Sein Vortrag in der Industrie- und Handelskammer stand unter dem Thema: Quo vadis, Kirche?

Rathing erinnerte daran, dass das Christentum die weltweit am stärksten verfolgte Religion sei. Hierzulande befände sich die Kirche in einer privilegierten Lage. Allerdings werde längst nicht mehr jedes Neugeborene „automatisch ein Christenmensch“. Viele Zeitgenossen seien mit christlichen Grundtexten wie dem Vaterunser nicht mehr vertraut und wüssten auch nicht, was Ostern gefeiert wird oder wie eine Beerdigung abläuft. „Die Gegenbewegung zu Mitgliederverlust heißt Taufe und Wiedereintritt“, sprach sich Rathing für christliche Werbemaßnahmen aus.

Sein nüchternes Fazit. „Wir werden Missionare im eigenen Land“. Dass dies nicht nur eine Aufgabe hauptberuflicher Mitarbeiter wie Pastoren und Diakone ist, machte der Regionalbischof am Beispiel des Stiftungswesens deutlich. So sei der Altar der Osnabrücker St. Marienkirche laut Inschrift von „Hermann und Elisabeth“ gestiftet worden. „Zum christlichen Glauben gehören auch Menschen, die zeigen, wofür sie stehen: mit ihrem Gesicht, mit ihrem Namen, mit ihrem Einsatz und dann auch mit ihrem materiellen Beitrag.“

Das durch die Kirche geprägte kulturelle und gesellschaftliche Inventar verstehe sich nicht von selbst, mahnte Rathing. Auf vielerlei Weise könnten Menschen zum Ausdruck bringen, dass die Kirche ihnen etwas wert ist, ermutigte der Landessuperintendent die Zuhörer zum öffentlichen Bekenntnis: „Im Fördern eines Anliegens und in der Aufgeschlossenheit für eine Zusammenarbeit, im guten Tun für eine Gemeinde und im guten Reden über etwas, das Sie mit der Kirche erlebt haben.“

In den nächsten Jahren erwarte die Kirche einen jährlichen Mitgliederrückgang um ein Prozent, zitierte Rathing aktuelle Prognosen. Die Finanzkraft werde bis 2040 voraussichtlich um 50 Prozent abnehmen. Dennoch bleibe die Kirche im Wesentlichen dieselbe, ist Rathing überzeugt. Der Landessuperintendent sieht die Kirche als „Raum, in dem Worte wie Barmherzigkeit, Seligkeit, Nächstenliebe und Gnade Platz haben“ und menschliche Sehnsucht Erfüllung findet. „Ein Ort, der Zeit und Ewigkeit verbindet.“

Zu den Zielen des Clubs von Lüneburg gehört unter anderem die Förderung von Bildung in Kunst, Kultur und Wissenschaft. Der gemeinnützige Verein, der 1952 nach dem Vorbild des Hamburger Übersee-Clubs gegründet wurde, zählt heute rund 200 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Hartmut Merten
Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Lüneburg der Landeskirche Hannovers