Landtag will Beratungsgremium für Klosterkammer

Nachricht 06. November 2012

Hannover (epd). Der niedersächsische Landtag will die Strukturen für die Klosterkammer Hannover moderat erneuern. Der Landtag beschloss am Mittwoch, der Landesbehörde ein beratendes Gremium zur Seite zu stellen. Damit wurde ein Antrag der SPD abgeschwächt, die sich einen Stiftungsrat gewünscht hatte. Die "Linke" scheiterte mit ihrem Versuch, der Klosterkammer per Gesetz neue Strukturen aufzuzwingen. Die weitgehend unabhängige Landesbehörde verwaltet Vermögen aus ehemals kirchlichem Besitz.

Die Klosterkammer war nach Auseinandersetzungen mit Erbpacht-Nehmern in die Kritik geraten. Sie ist mit rund 16.500 Erpacht-Verträgen der größte Verwalter von Erbbaurechten in Deutschland. Vor allem in Südniedersachsen haben sich Pächter gegen die Erhöhung der Erbpachtzinsen gewehrt. Sie scheiterten zwar juristisch. Gutachter empfahlen der Klosterkammer jedoch, beweglicher zu handeln.

Das Klima zwischen der Klosterkammer und den Erbpachtnehmern sei seitdem besser geworden, sagte Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) in der Landtagsdebatte. "Es hat sich viel getan." Die Klosterkammer steht unter der Aufsicht des Wissenschaftsministeriums. Sie müsse Mittel erwirtschaften, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, unterstrich Wanka.

Mit dem Vermögen aus vier Stiftungen unterhält die Kammer historische Gebäude, darunter zahlreiche Kirchen und Klöster. Zudem fördert sie soziale und Bildungsprojekte. "Was sie frei ausgeben kann, ist ein geringer Teil", sagte die Ministerin.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Hans-Henning Adler, wandte ein, die Erhöhung der Erbauzinsen sei politisch falsch. Frauke Heiligenstadt von der SPD ergänzte, die Erbpacht sei ursprünglich auch aus sozialen Gründen eingeführt worden.

Die Kritik der Opposition entzündete sich auch an den aus ihrer Sicht eigenmächtigen Entscheidungen des Klosterkammer-Präsidenten Hans-Christian Biallas. Gabriele Heinen-Kljajic von der Grünen sagte, die Klosterkammer sei zwar auch ein Kulturgut: "Das darf aber nicht bedeuten, dass wir ihre feudalen Strukturen unter Schutz stellen".

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Das Stichwort: Klosterkammer Hannover

Hannover (epd). Die Klosterkammer Hannover ist eine Sonderbehörde zur Pflege von säkularisierten Kirchengütern unter Rechtsaufsicht des Landes Niedersachsen. Sie verwaltet unabhängig ein Stiftungsvermögen aus ehemals kirchlichem Besitz, der in der Reformationszeit säkularisiert wurde. Dazu gehören unter anderem elf Klöster, 43 Kirchen und rund 12.000 Kunstgegenstände. Im Blick auf ihre Größe, Geschichte und Struktur ist die Klosterkammer bundesweit einzigartig.

Mit rund 38.000 Hektar Fläche, darunter viel Wald, ist sie der größte nichtstaatliche Grundbesitzer in Niedersachsen. Mit rund 16.500 Erbpacht-Verträgen ist sie zudem der größte Verwalter von Erbbaurechten in Deutschland. Ihre rund 800 Gebäude sind überwiegend hochrangige Kulturdenkmäler.

Den Grundstock für die Klosterkammer legte die Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg-Göttingen (1510-1558) im Jahr 1542. Mit einer Klosterordnung gab sie den entscheidenden Impuls dafür, dass die ehemals geistlichen Güter erhalten blieben und bis heute getrennt vom Staatsvermögen verwaltet werden.

Als Verwaltungsbehörde wurde die Kammer 1818 vom hannoverschen Prinzregenten Georg gegründet, dem späteren König Georg IV. Später wurden ihr weitere Stiftungsvermögen übertragen. Heute hat die Sonderbehörde rund 130 Mitarbeiter.

Rund 15 Millionen Euro verwendet die Klosterkammer jährlich für ihre Stiftungszwecke: Sie unterhält die ihr anvertrauten historischen Gebäude und fördert soziale und Bildungsprojekte im Land. In den elf Klöstern und vier Stiften im Verwaltungsbereich der Klosterkammer, vor allem rund um Hannover und in der Lüneburger Heide, leben bis heute evangelische Frauen.

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