Niedersächsische Stiftung "Kinder von Tschernobyl" feiert 20-jähriges Bestehen

Nachricht 05. November 2012

Hannover (epd). Mit einem Festakt hat das Land Niedersachsen das 20-jährige Bestehen seiner Stiftung "Kinder von Tschernobyl" gefeiert. Der Unfall in dem ukrainischen Reaktor vor mehr als 26 Jahren habe unbeschreibliches Leid über viele Menschen gebracht, sagte Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) am Montag im Plenarsaal. "Die bis heute bekannten Zahlen und Daten über Tote, Verletzte und Geschädigte sind erschreckend genug", sagte er laut Manuskript: "Aber das wirkliche Leid kann keine Statistik hinreichend zum Ausdruck bringen."

Die Stiftung "Kinder von Tschernobyl" engagiert sich seit Oktober 1992 vor allem für die Früherkennung und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen bei strahlengeschädigten Kindern. Dazu hat sie den Angaben zufolge mehr als 300 Ultraschallgeräte im Wert von mehr als zehn Millionen Euro an Krankenhäuser geliefert und Mediziner fortgebildet.

Ein Augenzeuge berichtete von seinen Erfahrungen als "Liquidator" bei den Aufräumarbeiten am zerstörten Reaktor. An das Unglück und die Folgen erinnert auch die Ausstellung "Lebenslang" mit Fotos des Worpsweder Fotografen Rüdiger Lubricht, die am Montag im Landtag eröffnet wurde. Er fotografierte vor allem Kinder in einem Waisenhaus bei Minsk.

Die Ausstellung zeige Bilder von Kindern und jungen Erwachsenen, die in besonders trauriger Weise unter den Folgen der Katastrophe litten, sagte Sozialministerin Aygül Özkan (CDU). "Lebenslang wird ihr Schicksal, in einem belasteten Gebiet geboren worden zu sein, ihre Existenz bestimmen."

Der hannoversche Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer würdigte den Einsatz Ehrenamtlicher in der Landesstiftung und der Tschernobyl-Hilfe der evangelischen Kirche. Das Engagement dürfe nicht nachlassen, denn die Hilfe sei noch immer nötig, sagte er. "Die weißrussischen Kinder, die zu uns kommen, sind Botschafter von Tschernobyl", betonte Kiefer. Sie hielten die Erinnerung an das Reaktorunglück wach. Zudem hätten die Begegnungen viel zur Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner mit Deutschland beigetragen.

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