Geistlicher Vizepräsident ruft Kirche am Reformationstag zu mehr Risikofreude auf

Nachricht 30. Oktober 2012

Hannover (epd). Der leitende hannoversche Theologe Arend de Vries hat die evangelische Kirche am Reformationstag dazu aufgerufen, risikofreudig zu sein. Dazu gehöre auch die Überlegung, künftig Menschen in diakonischen Einrichtungen zu beschäftigen, die keine Kirchenmitglieder seien, sagte der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes der hannoverschen Landeskirche am Mittwoch in Hannover. Wenn es nicht mehr genügend Kirchenmitglieder gäbe, "dann dürfen wir uns trauen, nach anderen Menschen Ausschau zu halten, die guten Willens sind und sich einlassen können auf unsere diakonische Überzeugung".

Für Mitarbeitende in der Kirche und Diakonie gilt derzeit eine "Loyalitätsrichtlinie", derzufolge die Beschäftigten Mitglieder der evangelischen Kirche sein sollten. Es werden auf Antrag aber auch Sonderregelungen zugelassen, wenn diese Regelung nicht erfüllt werden kann und der Bewerber fachlich auch gut geeignet ist.

De Vries sagte laut Predigtmanuskript, es gebe gute Gründe, evangelisch zu sein: "Evangelisch zu sein, heißt zu fragen, zu zweifeln, anzunehmen und zu verwerfen, immer auch zu lernen und Erkenntnisse neu auszuschöpfen." Der evangelische Christ sei ein "tapferer Sünder", der es im Vertrauen auf Gottes Vergebung wage, auch falsche Entscheidungen zu treffen: "Er scheut nicht vor der Verantwortung zurück, wenn er sich gesellschaftlich oder politisch aufs Glatteis begeben soll."

Die traditionellen Kirchengemeinden könnten nicht die einzige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft sein, unterstrich der Theologe. Es hätten sich längst andere Formen etabliert, wie etwa Jugendkirchen oder geistliche Zentren. Das seien notwendige Formen der Veränderung: "Wir dürfen als Kirche risikofreudig sein, weil uns die Freiheit dazu geschenkt ist."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Weitere Informationen

Geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt Arend de Vries