Schicksale vertriebener Pastoren nach dem Zweiten Weltkrieg

Nachricht 26. Oktober 2012

Buch "Unter Fremden?" jetzt erschienen

Hannover (epd). Mit Bibel und Bollerwagen kamen nach dem Ende des Nationalsozialismus viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Niedersachsen. Mit ihnen sei auch die Kirche gekommen, schreibt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister im Vorwort des neu erschienen Buches "Unter Fremden? Flüchtlinge und Vertriebene in der hannoverschen Landeskirche nach dem Zweiten Weltkrieg". Das Buch, das am Freitag vom Lutherischen Verlagshaus in Hannover präsentiert wurde, nimmt nun erstmalig das Schicksal der Pastoren, Diakone und Gemeindemitarbeiter in den Blick.

Ihre unterschiedlichen Frömmigkeitsformen hätten bei den schwierigen Lebensumständen in den Jahren nach 1945 häufig "Befremden, Reibungen, Konflikte und Enttäuschungen" in den örtlichen Kirchengemeinden ausgelöst, schreibt Meister. Zwar hätten sich die westlichen Kirchen bemüht, ihre Mitchristen - darunter auch Tausende Pastoren - aus dem Osten aufzunehmen und ihnen eine neue Heimat zu bieten. Doch dieses Vorhaben sei nicht überall gelungen: "Das lag an den anfangs chaotischen Zuständen und an menschlichen Unzulänglichkeiten und an einer durch die bedrückende Gesamtlage bedingten Überforderung aller Beteiligten."

Die Autoren und Herausgeber des 316 Seiten starkes Buches, der ehemalige Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ernst Kampermann (geb. 1938), der ehemalige Oberlandeskirchenrat Hans-Joachim Rauer (geb. 1932) und der landeskirchliche Archivdirektor Hans Otte (geb. 1950) seien bei Kriegsende noch Kinder und Jugendliche gewesen.

Als Angehörige der zweiten Generation von Flüchtlingen beschrieben sie, "was sie seinerzeit miterlebt, beobachtet oder nachträglich erkundet und reflektiert haben", schreibt der Landesbischof, dessen aus Pommern stammende Mutter in Nordfriesland eine neue Heimat fand. Als Material dienten ihnen Personalakten, Korrespondenzen und Dokumente.

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