EKD-Friedensbeauftragter Brahms warnt vor Bundeswehr-Einsatz in Mali

Nachricht 24. Oktober 2012

Bremen (epd). Der kirchliche Friedensbeauftragte Renke Brahms hat vor einem Einsatz der Bundeswehr in Mali gewarnt. "Die Folgen wären schwer abzuschätzen", sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch dem epd. Überdies sei es fantasielos, so schnell auf die militärische Karte zu setzen. "Wo sind die zivilen Hilfen?", fragte Brahms, der auch leitender Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche ist.

Die Europäische Union will die Entsendung einer 3.000 Mann starken Eingreiftruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Abstimmung mit der Afrikanischen Union unter UN-Mandat unterstützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprachen sich für eine Beteiligung der Bundeswehr durch Training und Beratung aus. An Kampftruppen sei nicht gedacht, sagte Westerwelle. Der Sicherheitsrat will ein Mandat erteilen, wenn genaue Pläne für die Eingreiftruppe vorliegen.

Insbesondere gegen westliche Einsatzkräfte bestünden in der Region große Vorbehalte, ergänzte Brahms. "Wenn überhaupt, sollten deshalb nur afrikanische Truppen eingesetzt werden." Der EKD-Beauftragte bezweifelte überdies, ob auf Dauer ein Trainings- und Beratungsauftrag der Bundeswehr von einem Kampfeinsatz abgegrenzt werden könnte. "Wir mussten doch oft die Erfahrung machen: Aus einem solchen Einsatz folgen weitere Schritte." Dies könnten beispielsweise die Entsendung von Truppen oder Waffenlieferungen sein.

Brahms betonte, ein Vergleich mit Afghanistan sei nicht möglich, "die Situation in Mali ist aber in der Tat hoch problematisch". Die Instabilität des westafrikanischen Landes habe auch etwas mit dem Konflikt in Libyen zu tun. So seien schwer bewaffnete Tuareg, die früher von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi unterstützt worden seien, nach Mali gezogen. "Das macht klar, wie eng die Dinge zusammenhängen und wie schwer die Lage einzuschätzen ist."

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epd-Info: Bundeswehr-Einsätze in Afrika

Bremen (epd). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine deutsche Beteiligung an einem Militäreinsatz gegen Islamisten im westafrikanischen Mali in Aussicht gestellt. Die Bundeswehr ist bislang an fünf Missionen im afrikanischen Raum dabei. Das größte Engagement ist die EU-geführte Operation Atalanta zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. Die Mandatsobergrenze liegt bei 1.400 Soldaten.

In Uganda wirkt die Bundeswehr an einer EU-Trainingsmission für Somalia mit, wo sie somalische Rekruten ausbildet. Daneben ist sie an einer Beratungs- und Unterstützungsmission der EU im Kongo beteiligt. In der sudanesischen Krisenregion Darfur unterstützt sie die UN-Friedensmission UNAMID mit bis zu 50 Soldaten, im Südsudan die Friedensmission UNMISS mit ebenfalls bis zu 50 Soldaten.

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